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Homburger Hörhaus

Hört, hört! Zwei Hörakustiker in der digitalen Transformation

Matthias Leppert (41) und Thomas Weidmann (34) haben im Jahr 2015 das Homburger Hörhaus gegründet. Die beiden Hörakustiker setzen dabei voll auf Digitalisierung. Früher sei in den Köpfen verankert gewesen „Hörgerät gleich alt“, sagt Matthias Leppert. Heute tragen auch jüngere Menschen eins, kleine Mädchen sogar Geräte in Pink mit Glitzersteinen. Und auch die ältere Generation ist anders als früher: „Vor kurzem kam ein 90-jähriger Mann in den Laden. Dessen erste Anforderung war, dass sein neues Hörgerät mit dem iPhone kompatibel ist“, berichtet Leppert.

„Wir haben den Kunden zugehört und wollten was Anderes machen,“ sagt Leppert. In seinem Laden gibt es zum Beispiel einen Hörerlebnispfad mit unterschiedlichen Geräuschkulissen. „Wenn man lange von Hören entwöhnt war, dann ist es doch gut, sich langsam daran gewöhnen zu können.“ Seine Kunden laufen mit dem neuen Hörgerät über einen Parcours mit unterschiedlichen Bodenbelägen, wie Parkett, Kunstrasen, Kies. Ein Windgenerator erzeugt ebensolchen und als kleine Spielerei können die Hörenden einen Vogel per digitalisiertem Zauberstab singen lassen. Digitalisierung kann Spaß machen. „Den Vogel, der eigentlich für Vergnügungsparks erfunden wurde, hat ein Freund von einer Prototypenmesse in Florida mitgebracht“, sagt Leppert. Jetzt singt er als einziger seiner Art in Europa, und zwar im Hörgarten in Bad Homburg. Zudem können Kunden Trainings mit einem so genannten Ting-Stift machen, einem Hörstift. Berührt man mit der Spitze vorgegebene Punkte, werden Geräusche abgespielt.

Zusammen in die Selbstständigkeit

Die beiden Geschäftsführer haben sich in einem früheren Betrieb kennengelernt. Dort haben beide ihre Ausbildung zum Hörakustiker gemacht und 13 Jahre zusammengearbeitet. Als der Eigentümer in den Ruhestand ging, hat er seinen Betrieb an eine Hörakustik-Filialkette verkauft.

Heute arbeiten die beiden Gründer vor allem in Service mit digitalisierten Methoden, um die Kunden besser zu bedienen. So warten die drei Hörakustiker – neben den beiden Inhabern ist noch eine Meisterin angestellt – die Hörgeräte der Kunden aus der Ferne. Der Hörgerät-Hersteller bietet dazu eine Plattform, über die mit einer App per Smartphone kommuniziert werden kann. Die Messergebnisse werden anonymisiert erfasst, sodass der Datenschutz gewährleitet bleibt.

Scanner digitalisiert Ohrabformungen

Auch die handwerklichen Tätigkeiten werden durch digitalisierte Prozesse verfeinert. So digitalisiert ein Scanner die von Hand hergestellten Ohrabformungen aus Silikon in 3D. „Eine direkte Digitalisierung des Ohres gibt es derzeit leider nur im Prototypenstadium“, sagt Leppert. So wird ein Postweg gespart und die Homburger Hörakustiker können selbst am Rechner die Otoplastiken modellieren und im Labor herstellen lassen.

Aber auch das Hörgerät an sich entwickelt sich immer weiter. So wird es Teil des „Internets der Dinge“: Bei manchen Geräten lässt sich das Einschalten des Hörgeräts morgens mit dem automatischen Start der Kaffee-Maschine übers Internet verknüpfen, erzählt Leppert. Die Innovationszyklen bei den Hörgeräten lägen bei gerade einmal zwei Jahren. Ein Grund, warum die Branche mit zweistelligen Umsatzzuwächsen boomt.

Verwaltung und Marketing

Beim Marketing setzen die beiden Gründer auf digitale Kommunikation, zum Beispiel mit Website und Facebook. „Oft ist es so, dass der Enkel etwas recherchiert hat und informiert dann Oma und Opa“, sagt Leppert. „So erreichen wir unsere Zielgruppe auch digital.“

Auch in der Verwaltung nutzen Leppert und Weidmann täglich die digitalen Möglichkeiten: Die Kommunikation mit den Krankenkassen erfolgt ausschließlich elektronisch. Kostenvoranschläge werden über eine Schnittstelle an die Krankenkassen direkt über die Kundenverwaltung übermittelt. Auch bei der Abrechnung mit den Krankenkassen ist das so. „Der Vorteil ist, dass Papierrechnungen nicht von Dienstleistern digital erfasst werden müssen, um sie an die Krankenkassen zu übertragen – dabei passieren oft Fehler“, sagt Leppert. „Schon vor der Übermittlung findet eine Plausiblitätsprüfung statt. Das hat weniger Abrechnungsfehler zur Folge und verkürzt die Zeit bis zur Begleichung einer erbrachten Leistung.“

Demnächst werden Hörhaus-Kunden ihre Termine über einen digitalen Kalender auf der Website selbst eintragen können. Das Homburger Hörhaus befindet sich in der digitalen Transformation.

Worldmap

Mittelstand vernetzt sich auf Digitalisierungskonferenz

Maschinen, Produkte und Logistik werden miteinander vernetzt, um selbstorganisierte Fertigungsprozesse zu etablieren. Dieses Ziel strebt Deutschland unter dem Begriff „Industrie 4.0“ an. Ganz ähnliche Entwicklungen laufen in China unter dem Begriff „Made in China 2025“. Im Verlauf der Konferenz stellten Experten unter anderem Konzepte des Internet of Things (IoT) oder Modelle der Smart Factory vor.

Um Unternehmen in China und Deutschland miteinander zu vernetzen und den internationa­len Erfahrungsaustausch unter mittelständischen Unternehmen zu fördern, veranstal­teten die Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg (WFBB) und die Industrie- und Handels­kammer Potsdam am 27. April 2017 in Potsdam gemeinsam mit chinesischen Transferpartnern die ganztägige „Chinesisch-Deutsche Konferenz zu Digitalisierung und Industrie 4.0“. Circa 350 Unternehmer aus China und Deutschland nahmen teil. Die Konferenz­sprache war deutsch. Die Vorträge wurden von Dolmetschern übersetzt.

Die Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation beteiligte sich an der Konzeption und Umsetz­ung dieser Konferenz, um kleine und mittlere Unternehmen dabei zu unterstützen, sich inter­national und auch untereinander zu vernetzen. Mitglieder der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation waren vor Ort und standen Multiplikatoren und Unternehmern für Fragen und Diskussionen rund um die digitale Transfor­mation des Mittelstandes zur Verfügung. Dabei wur­den auch Hinweise gegeben, an wen sich die Unternehmen zur Planung und Umsetzung der Digitalisierung wenden können.

Im Verlauf der Konferenz stellten Experten unter anderem Konzepte des Internet of Things (IoT) oder Modelle der Smart Factory vor. Einige Experten kamen aus dem Umfeld der BMWi-Initiative „Mittelstand-Digital“. Professor Key Pousttchi beispielsweise, Inhaber des SAP-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung an der Uni­versität Potsdam, machte in seinem Vortrag “Industrie 4.0 – Digitale Transfor­mation“ die Dimensio­nen der Digitalisierung auch für mittelständische Unternehmen deutlich. Professor Ulrich Berger vom Lehrstuhl Automatisie­rungs­technik an der Tech­nischen Universität Cott­bus-Senftenberg brachte den Teilnehmern in seinem Vortrag „Automatisierung und Digi­ta­lisierung: Chancen für den Mittelstand“ die Perspektiven der Digitalisierung näher. Aber auch viele Referenten aus der Praxis brachten ihre Anwendungserfahrungen ein.

Zusätzlich zu den Fachvorträgen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, in sechs Workshops Innovationsthemen wie zum Beispiel Virtual Reality, Informationssicherheit, intelligente Mobilität oder Geo-Informationstechnik zu diskutieren.

Zentraler Bestandteil der Konferenz war das sogenannte „Match Making“. In individuellen Gesprächen unter vier Augen und begleitet von Dolmetschern konnten sich die Unternehmer miteinander vernetzen, Projekte, Produkte und ihr Know-how vorstellen, potenzielle Geschäftspartner in Einzelgesprächen kennenlernen und grenzüberschreitende Kontakte und Kooperationen anbahnen. Etwa 250 Unternehmer machten von dieser Vernetzungsmöglichkeit Gebrauch.

Befragung für Studie

Im Verlauf der Konferenz wurden deutsche Mittelständler von der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Die Ergebnisse dieser ersten Stich­probe von rund 40 Teilnehmern zeigen , dass das Interesse an internationaler Ver­netzung im Kontext der Digitalisierung groß ist. Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben an, dass sie darüber nachdenken, mit einem auslän­di­schen Unternehmen zu kooperieren oder haben dies bereits konkret vor. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Orientierungsbedarf groß ist und viele Unternehmer nicht wissen, wie sie die entsprechenden Kanäle für sich erschließen sollen.

Die Themen „Auswahl und Implementierung neuer Technologien“ sowie „Qualifikation der Mitarbeiter“ stehen bei den Befragten an erster Stelle, wenn es um Herausforderungen im Hinblick auf Digitalisierungsmaßnahmen geht. Nach konkreten Wünschen befragt, stehen Best Practice-Beispiele bei den mittelständischen Unterneh­mern nach wie vor hoch im Kurs.

Dieses erste Stimmungsbild wird durch eine nachbereitende Evaluation der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation auf der Basis einer Online-Befragung präzisiert. Zugang zum Fragebogen finden Interessenten unter folgendem Link:

https://de.surveymonkey.com/r/RNQWBDK

Ziel der Umfrage ist es, die Bedarfe des regionalen Mittelstands in Richtung Digitalisierung und Internationalisierung sehr konkret zu fassen, also im Detail der Wünsche und Anforderungen.

Auf Basis dieser Ergebnisse ist ein ausführlicher Evaluationsbericht geplant, der im Sommer 2017 unter anderem auf der Webseite der Mittelstand 4.0 Agentur Kommunikation veröffentlicht wird. Die Evaluationsergebnisse werden den Akteuren der Förderinitiative Mittelstand-Digital und anderen Multiplikatoren zur Verfügung gestellt, die planen, mittelständische Unternehmen bei der internationalen Vernetzung und der Digitalisierung zu unterstützen.

Metaanalyse

Digitalisierung als Chance erkannt?

Hat der deutsche Mittelstand die Digitalisierung als Chance erkannt und inwieweit wird diese genutzt? lautet die zentrale Frage einer Metaanalyse der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation, die die Ergebnisse aus sieben Studien untersucht. 

Ziel der Untersuchung ist es festzustellen, ob auf Basis des vorhandenen Studienmaterials bereits  allgemeingültige Aussagen getroffen werden können und ob sich die ausgewählten Arbeiten grundlegend widersprechen.

Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse (S. 11-12)

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Digitalisierung im Bewusstsein der meisten der untersuchten Unternehmen angekommen ist. So gibt jeweils mehr als die Hälfte der Befragten der einzelnen Studien an, dass Digitalisierungsthemen im eigenen Unternehmen äußerst aktuell seien. Gleichwohl ordnet sich auf die Frage nach dem eigenen Digitalisierungsgrad die Mehrzahl der Unternehmen (noch) eher bei einem mittleren Wert ein. Trotz eines starken Bewusstseins für die Notwendigkeit des digitalen Wandels, wird die Umsetzung entsprechender Maßnahmen tendenziell vernachlässigt.

Dies lässt sich auch durch die untersuchte Chancenbewertung belegen. Noch setzen die Unternehmen in erster Linie auf eine Vereinfachung von Arbeitsabläufen, auf Kosteneinsparungen durch effizientere Prozesse und auf die Entwicklung von Innovationen . Dabei werden die möglichen positiven Effekte in den einzelnen Unternehmensbereichen durchaus unterschiedlich bewertet.

Die Nutzung neuer IKT-Technologie scheint insbesondere für Finanz-, Logistik- und Vertriebsprozess interessant, die in der Regel auch den höchsten Digitalisierungsgrad aufweisen. Wie unterschiedlich konkrete Maßnahmen bewertet und vorangetrieben werden, zeigt sich auch über eine eher zurückhaltende Einbindung technischer Spezialisten und die mangelnde Verankerung einer definierten Digitalisierungsstrategie, die bis dato in weniger als der Hälfte der Unternehmen erfolgreich vollzogen wurde.

Handfeste Probleme sehen viele mittelständische Unternehmen zusätzlich bei der Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel, in der Gewährleistung von Datensicherheit und in der Dynamik und Komplexität der aktuellen technologischen Entwicklungen. Auffallend ist, dass die Befragten der Studie 6 (im Auftrag der Commerzbank) den Investitionsbedarf eher als geringfügiges Risiko der Digitalisierung einschätzen. Allerdings wurden hier vorzugsweise Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 2,5 Millionen
Euro und keine Kleinstbetriebe befragt.

Zusammenfassend kommen alle ausgewählten Mittelstandsstudien zu ähnlichen Ergebnissen: Generell kann festgestellt werden, dass der Mittelstand, auch wenn die Relevanz für das eigene Unternehmen unterschiedlich bewertet wird, die Bedeutung der Digitalisierung erkannt und mit der Umsetzung notwendiger Maßnahmen (zumindest planerisch) begonnen hat. Gleichwohl gehen zahlreiche Unternehmen, insbesondere Kleinstbetriebe und Firmen des Baugewerbes, davon aus, dass die Digitalisierung keine Rolle für ihr Geschäftsmodell spielt und ergreifen bis dato keine konkreten Anpassungsmaßnahmen.

Studie „Metaanalyse zur Digitalisierung im Mittelstand“ herunterladen

Hintergrund

Der deutsche Mittelstand nimmt aufgrund der Vielzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und seinem bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Gesamtleistung Deutschlands eine besondere Rolle ein. Eine in den Jahren 2008 und 2009 durchgeführte Befragung von. 4.000 Geschäftsführern und Inhabern mittelständischer Unternehmen ergab, dass 72 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass der Trend der Digitalisierung für ihr Unternehmen wichtig oder sehr wichtig ist.

digital_real in Trebur

Fische, Handschuhe und Apps

Vier Vorträge – vier Perspektiven aus Industrie 4.0, das lieferte die lebendige Praxiskonferenz digital_real beim Fischmaster im südhessischen Trebur. Hier das Wichtigste in Kürze.

Den Auftakt zur Konferenz gestaltete Eric Nürnberger, Geschäftsführer des gastgebenden Unternehmens Fischmaster GmbH. Für ihn ist „Digitalisierung nie abgeschlossen, sondern ein ständiger Prozess“.  Eric Nürnberger, hat in nur wenigen Jahren eine volldigitalisierte Indoor-Fischzucht geschaffen und ist einer von vier Referenten der Veranstaltung. Er plädiert dafür, die Chancen zu sehen, die die Digitalisierung bietet: „Damit kann man coole neuen Dinge machen, die sonst noch keiner macht!“ Er rät Unternehmen, sich Klarheit darüber zu verschaffen und konkrete Ziele zu setzen, bevor sie ihren Transformationsprozess beginnen, um ihre Prozesse zu digitalisieren. Nürnberger hat zunächst damit begonnen, Sensoren an risikobehafteten Stellen seiner sensiblen Fischzucht einzusetzen und hat inzwischen mehr als 1.000 Sensoren an und in die Fischbecken montiert. Weitere Informationen

Im zweiten Vortrag berichtete Mattias Finzelberg, Geschäftsführer der Rex Gummitechniken GmbH & Co. KG mit Sitz in Pfungstadt, von der Digitalisierung seines Betriebs. Er hatte den Herstellungsbetrieb für Chemikalienschutzhandschuhe noch komplett analog gekauft und ihn innerhalb kürzester Zeit, auch unter Einführung eines ERP-Systems, digitalisiert. „Kennen Sie Ihre Kennzahlen. Und analysieren Sie deren Wechselwirkung!“, forderte der Unternehmer seine Mitstreiter und Kollegen im Publikum auf. Er vertritt die Meinung, dass Betriebe die Digitalisierung „mit genug Leidenschaft und Engagement auch ohne externe Berater schaffen“. Sicherlich kommen Finzelberg seine 25 Jahre Erfahrung als Unternehmensberater im Maschinenbau zugute, währenddessen er schon viele Firmen in der Digitalisierung begleitet hat.

Praxisbeispiel „Wie digitalisiert man ein analoges Unternemen?“ herunterladen

Vier Unternehmer-Typen im Zeitalter der Digitalisierung

Im Anschluss an die Praxisbeispiele stellte Prof. Dr. Rainer Zeichhardt von der BSP Business School Berlin vier Unternehmer-Typen im Zeitalter der Digitalisierung vor, die in einer Studie klassifiziert werden konnten:

  1. Der Surfer bewegt sich voll und ganz auf der Digitalisierungswelle. „Manche tauchen gar in sie ein“, so Zeichhardt.
  2. Der Taucher ist grundsätzlich an der Digitalisierung interessiert und setzt sich mit den 4.0-Themen auseinander.
  3. Der Inselbewohner romantisiert das Analoge und versucht der Digitalisierung zu entfliehen. „Digitalisierung ist nicht nur Technik, sondern auch Führung und Kommunikation“, sagte Zeichhardt, der mit der Einordnung amüsant den Zeigefinger erhob.
  4. Die Mitgerissenen machen zwar mit, aber eher halbherzig, weil sie sich nicht so wohl dabei fühlen und klammern sich an den Rettungsring.

Beendet hat die Konferenz Nico Sonnenberg, Vertreter und Account Manager von der Bright Solutions GmbH mit Sitz in Darmstadt, mit seinem Vortrag. Im Austausch mit dem Moderator, Prof. Dr. Thomas Thiessen von der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation, sprach Sonnenberg über die Entwicklung innovativer Apps in Zusammenarbeit mit seinen Kunden. Hierbei stellte er den Teilnehmern der Konferenz MyFoam vor: Mit der Webanwendung und App können Schaumstoffeinlagen für Werkzeuge in Werkzeugkoffern der Losgröße 1 nach Fotos oder Scans hergestellt werden. Ein Unternehmen für Lichtwerbung im Außenbereich verdeutlicht in einem 3D-Konfigurator inklusive Augmented Reality zusammen mit Bright Solutions, wie die geplante Werbung an dem vorhandenen Gebäude aussehen wird.

Fazit: Digitalisierung ist realisierbar, sie erfordert Klarheit und konkrete Zielsetzungen

Digitalisierung ist für alle Unternehmen auch mit kleinerem Budget realisierbar und eignet sich gerade in der Anfangsphase für kleinere Projekte. Voraussetzung ist, dass sich der Inhaber oder Geschäftsführer mit dem Thema auseinandersetzt und die Abläufe und Kennzahlen in seinem Betrieb gut kennt. Diese Voraussetzungen ermöglichen, digitale Vorgänge gezielt und an den richtigen Schnittstellen im Unternehmen einzusetzen. Es empfiehlt sich, zunächst Prozesse zu digitalisieren, die das Unternehmen im analogen Zustand viel Geld kosten. Wichtig ist zu beachten, dass sich Digitalisierung nicht auf die Technik beschränkt, sondern viel mit Führung und Kommunikation zu tun hat. Deshalb müssen von Anfang an die Mitarbeiter*innen einbezogen werden.

Hintergrund

Rund 60 Teilnehmer aus kleinen und mittleren Unternehmen nahmen am 9. Februar 2017 an der Konferenz digital_real teil und informierten sich zu aktuellen 4.0-Themen und Best-Practise-Beispielen aus der Wirtschaft. Gastgeber war das mittelständische Unternehmen Fischmaster GmbH mit Sitz im südhessischen Trebur. Gemeinsam mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt, organisierte die Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation die Konferenz, um Vertretern aus kleinen und mittleren Unternehmen praxisorientierte Informationen an die Hand zu geben und Unterstützungsangebote der Förderinitiative aufzuzeigen.

Angebotskarte „Praxiskonferenz digital_real“ herunterladen

Stationärer und Online-Handel

Briefing „Online- und stationärer Handel“ erschienen

Auf zwei Seiten haben wir in kurzen Informationshäppchen die derzeit wichtigsten Fragen für stationäre Händler zusammengetragen, die sich digital weiterentwickeln mochten.

  • Bedeutet die Digitalisierung des Handels, dass jeder Händler einen eigenen Online-Shop eröffnen muss?
  • Wo können Händler Nischen finden, auch wenn ihre Produkte (Schuhe, Bücher) schon von den großen Online-Shops besetzt sind?
  • Wie entwickelt sich der Handel gerade (in Zahlen)?
  • Innenstadt-Belebung durch freies W-Lan?

Diese Themen greift das Briefing „Online- und stationärer Handel“ kurz und bündig auf. Auf zwei Seiten werden viele Themen angerissen, damit die Leser „schon mal was davon gehört haben“, ohne zu tief in das Thema einsteigen zu müssen.

„Briefing: Online- und stationärer Handel“ herunterladen

Das Briefing ist ein Ergebnis des 1. Update_Digitalsierung, einer Veranstaltung, die die Mittelstand 4.0-Agenturen Kommunikation und Handel sowie das -Kompetenzzentrum Darmstadt zusammen auf die Beine gestellt haben.

Es geht auch anders herum: Hier können Sie lesen, wie ein Online-Händler einen stationären übernommen hat, um ihn zu retten: http://blog.carpathia.ch/2017/10/20/musikpunkt-musik-hug-online/?utm_source=wysija&utm_medium=email&utm_campaign=sunday-newsletter

Transformation

Veränderungsprozess starten – aber wie?

Um bestehende Vorbehalte gegen Veränderungsprozesse aufzulösen, stellt die Studie „Transitionsmodell im Praxistest“ mit dem Transitionsmodell nach Bridges einen Führungsansatz und mit dem World Café ein mögliches Auftakt-Szenario vor. Die theoretischen Grundlagen werden anhand eines Fallbeispiels untersucht und davon Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Die digitale Transformation stellt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowohl auf der Prozess- als auch auf der Führungsebene vor besondere Herausforderungen. Vor allem die ersten bewusst wahrgenommenen Prozessschritte eines Digitalisierungsvorhabens werden häufig als äußerst komplex und problembehaftet empfunden.

Der Grundgedanke der vorliegende Arbeit ist die These, dass jeder Veränderungsprozess – ganz gleich, ob er im Rahmen des digitalen Wandels oder aufgrund anderer interner oder externer Einflussfaktoren eingeleitet wird – eine gelungene Teilhabe, Motivation und Einbindung der Mitarbeiter eines Unternehmens voraussetzt. Das Transitionsmodell von Bridges ermöglicht eine individuelle Begleitung und Unterstützung von Belegschaften, die sich veränderten Arbeitsbedingungen stellen müssen, und erhöht die Nachhaltigkeit von Veränderungsprozessen zugunsten des digitalen Reifegrads eines Unternehmens. Vor diesem Hintergrund richtet sich die vorliegende Arbeit insbesondere an die Führungskräfte mittelständischer Unternehmen, die für die strategische Planung und/oder organisatorische Durchführung von Transformationsprozessen verantwortlich sind.

Studie „Transitionsmodell im Praxistest“ herunterladen

Angebotskarte „Transitionsmodell“ herunterladen

Studie-Lieferantenintegration

Lieferantenintegration als Weg in die Digitalisierung

Losgröße 1 in der Fertigung und vernetzte Produkte werfen die Frage auf, wie sich fehlendes für die Entwicklung intelligenter Produkte nötiges Spezialwissen effizient kompensieren lässt. Lieferantenintegration kann ein möglicher Weg sein, um diesen neuen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Wie, das untersuchte die Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation ein einer Studie.

Auszug aus der Studie: Lieferantenintegration

Die Entwicklung und Herstellung neuer, innovativer Produkte erfordern häufig neue, innovative Materialien, andere Fertigungsprozesse oder bisher auf Herstellerseite nicht oder nur unzureichend vorhandene Fachkenntnisse.

Ziel der Studie ist es, Hinweise zu gewinnen, wie die Lieferantenintegration als ein Baustein den Weg zu innovativen Produkten und Dienstleistungen pflastern kann. Die Erhebung hat gezeigt, dass das Thema zurzeit nur mäßig- bis mittelstark auf der Agenda steht.

Auf die Frage „Sehen Sie Lieferantenintegration als Teil des Lieferantenmanagements?“ antworteten 90 Prozent der Personen mit Ja. Dieser Wert lässt den Schluss zu, dass das Thema Lieferantenintegration dennoch im richtigen Zusammenhang gesehen wird.

Dabei sind die Chancen groß, den Entwicklungsprozess von innovativen Produkten künftig unter Einbeziehung von Expertenwissen auf Lieferantenseite zu beschleunigen, um auf diese Weise die Zeit bis zur Marktreife des neuen innovativen Produktes zu verkürzen. Diese Chance sehen auch zwei Drittel der befragten Personen.

Gerade in den ersten Phasen des Produktentstehungsprozesses ist ein großer innovativer Hebel anzutreffen. Als Beispiel sagte ein Interview-Teilnehmer, je weiter am Anfang der Produktkreationsphase externes Wissen Eingang findet, die Innovations- und Verbesserungspotenziale am Größten sind.

Studie „Lieferantenintegration bei B2B Unternehmen – Aktueller Entwicklungsstand und zukünftige Weiterentwicklungsmöglichkeiten“ herunterladen

Fischzucht 4.0

Fischzucht 4.0

Als Geschäftsführer der NTC GmbH kommt Eric Nürnberger ursprünglich aus der IT-Branche. Mit Fischmaster gründete der Hobbyangler ein neues Unternehmen, das die Indoor-Aquakultur und sein IT-Know-how verbindet.

Ausgangssituation

Auf dem Gelände einer ehemaligen Luftwaffenhofreite von 1938 im hessischen Trebur, tüftelt der heute 48-jährige IT-Fachmann Eric Nürnberger mit einem interdisziplinären Team aus 25 Mitarbeitern an der optimalen Indoor-Fischzucht, darunter Techniker, Schlossermeister, promovierte Agrarwissenschaftler und Fischwirte aus unterschiedlichen Fachrichtungen. In den sanierten Fachwerkhäusern wird gezüchtet, geschlachtet, zubereitet, verschickt und frisch verkauft.

Der Hobbyangler beschäftigte sich seit mehr als zehn Jahren mit der Fischzucht und der Indoor-Aquakultur. In Seminaren sah er erhebliche Defizite bei der aktuellen Zucht: „Da geht doch noch mehr“, dachte er sich. Gemeinsam mit zwei Kollegen aus Luxemburg und der Schweiz begann er daraufhin eigene Becken-Prototypen in seiner Garage zu bauen und sie mit Fischen zu bestücken.

Heute

Er entschied sich für den Zander, da dies ein sehr hochpreisiger aber auch sehr pflegeintensiver und stressempfindlicher Süßwasserfisch ist. Nürnbergers Unternehmerehrgeiz war geweckt.

Auf dem Weg musste der motivierte Unternehmer den Tod von Fischen verschmerzen, bis ihm die Idee kam, seine Prozesse durch die „hauseigene“ IT zu optimieren. Sein Ziel war es, durch feine Sensorik eine „selbstheilende Maschine“ zu schaffen, die Abweichungen erkennt, diese kommuniziert und dann reagiert. Hierzu musste er zunächst die wichtigsten Parameter für den Aufzuchtprozess herausarbeiten, wie zum Beispiel Licht, Wassertemperatur oder der Sauerstoffgehalt des Wassers. Mittlerweile werden das Futtersystem, das Licht und die Jahreszeiten-Simulation sensorisch gesteuert.

Neben der optimalen Überwachung der Prozesse durch Maschinen ist es wichtig, einen Kreis an motivierten Fachkräften um sich zu haben, die in der Aquakultur nicht leicht zu finden seien, sagt Nürnberger. „In der Entwicklung zu arbeiten, kann frustrierend sein.“ Ergebnisse seien oft erst viel später erkennbar und im schlimmsten Fall können die Zander bei einer Umstellung nicht überleben. Hier muss der zweifache Geschäftsführer die Belegschaft aufbauen. Dennoch fühle er sich gemeinsam mit seinem Team wie auf einer Reise gen Zukunft: „Wir sitzen alle gemeinsam im Zug in eine Richtung.“

Nicht nur bei den Zuchtprozessen der Fische konnte Nürnberger sein IT-Wissen anbringen, auch auf anderen Gebieten ist er immer wieder auf der Suche nach Innovationen: Die Fischmaster GmbH verfügt neben dem Hofladen auf dem Werksgelände über einen eigenen Onlineshop. Hier können Kunden an zwei Tagen pro Woche nach der Schlachtung deutschlandweit Frischfisch bestellen. Obwohl in einem Verfahren genau darauf geachtet wird, dass die Kühlkette beim Versand des Frischfisches eingehalten wird, nehmen die Kunden diese Option bisher nur zögerlich an.

Zukunft

„Ich hätte noch tausend Ideen“, sagt der Geschäftsführer. Doch auch er ist in seinen Möglichkeiten finanziell und durch den Druck des Marktes eingeschränkt. Außerdem fügt er hinzu: „würde ich heute noch einmal eine Anlage bauen, würde ich sie ganz anders bauen.“ Denn nicht nur die Wissenschaft hat bereits neue Ergebnisse zur Indoor-Aquakultur erlangt, auch durch seine autodidaktische Herangehensweise konnte Nürnberger selbst neue Erkenntnisse sammeln. Dieses Wissen teilt er auch mit anderen Unternehmen, um ihnen seine eigenen anfänglichen Fehler zu ersparen und einen gegenseitigen Austausch zu ermöglichen.

Der Blick des Unternehmers ist in die Zukunft gerichtet: „Die Digitalisierung ist doch nie fertig“. Er findet besonders das Ressourcenmanagement könne von der Digitalisierung profitieren, sein Stichwort: „urbane Lebensmittelversorgung“. Einen geschlossenen Kreislauf in einem volldigitalisierten Gewächshaus zu schaffen, ist das nächste Projekt von Eric Nürnberger. 30 Gewächshäuser entstehen derzeit auf seinem „Food and Energy Campus“ unweit seines derzeitigen Firmengeländes.

Einen ausführlicheren Artikel zu dem Thema finden Sie im Magazin „Wissenschaft trifft Praxis“:
Magazin: „Wissenschaft trifft Praxis: Digitale Geschäftsmodelle“ herunterladen

Studie: Veränderungsmanagement

Studie: Bedarf mittelständischer Unternehmen im Veränderungsmanagement

Wie kann ich die Chancen der Digitalisierung nutzen? Wie muss ich mein Unternehmen verändern? Und wie geht das? Zunehmend stellen sich Führungskräfte in kleinen und mittleren Unternehmen diese Fragen. Die Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation dazu die Bedarfs- und Trendanalyse zum Bedarf mittelständischer Unternehmen zu den Themen Veränderungsmanagement und Führung in Zeiten des digitalen Wandels vorgelegt. 

Studie „Bedarfs-und Trendanalyse zu Führungskultur und Veränderungsmanagement“ herunterladen

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland sind das Rückgrat der Konjunktur in Deutschland. Sie beschäftigen fast 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer und fast 90 Prozent aller Auszubildenden (IfM Bonn, 2016). Die Digitalisierung, unter dem Stichwort Industrie 4.0 diskutiert, verändert die Markt- und Produktionsverhältnisse für viele dieser Unternehmen tiefgreifend. Für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland ist daher entscheidend, ob und in welchem Maße den mittelständischen Unternehmen die digitale Transformation gelingt.

Das Bewusstsein für die Veränderungen ist in den Unternehmen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dass Industrie 4.0, also die Vernetzung von Wertschöpfungsketten in und außerhalb des unternehmerischen Tätigkeitsbereiches, von großer Bedeutung für den Mittelstand ist, ist vielen bewusst. Doch der Weg zur Steigerung der Prozesseffizienz innerhalb der Wertschöpfungsketten und die damit verbundene neue Art des Arbeitens, wurde bislang noch unzureichend erforscht. Es ist eine große Herausforderung, Strategien zu entwickeln, die auf der Basis valider Daten KMU einen Weg in die Digitalisierung aufzeigen, dabei aber dennoch die individuellen Gegebenheiten der Unternehmen berücksichtigen.

Neue Untersuchung zu digitalen Bedarfen in KMU

Die neue Untersuchung Bedarfs- und Trendanalyse zu E-Leadership und Change-Management soll mehr Transparenz bringen. Sie wurde durch die im Rahmen der BMWi-Initiative „Mittelstand-Digital“ eingerichteten Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation und unter Federführung der BSP Business School Berlin durchgeführt. Die BSP ist Konsortialleiterin der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation.
Die Untersuchung behandelt drei wesentliche Aspekte der Digitalisierung:

  • Wie ist die Einstellung mittelständischer Unternehmer zu den Themen rund um Digitalisierung 4.0?
  • In welchem Umfang ist die Digitalisierung 4.0 in den Unternehmen bereits umgesetzt?
  • Welche besonderen Unterstützungsbedarfe sehen die Unternehmer für den weiteren Digitalisierungsprozess in ihrem Unternehmen?

Zur Datenerhebung wurde eine ausführliche, empirische Online-Befragung durchgeführt, welche eine Reihe selbst formulierter Rückmeldungen der Probanden erlaubte. Insofern hatte die Datenerhebung den Charakter einer qualitativen Untersuchung. Rund 130 Führungskräfte aus kleinen und mittelständischen Unternehmen füllten den Fragebogen komplett aus. Befragungszeitraum war April bis Juli 2016.

Positive Einstellung zur Digitalisierung, aber auch Verunsicherung

Im ersten Teil wurde die Einstellung der Führungskräfte gegenüber der Digitalisierung erörtert. Rund 80 Prozent der Führungskräfte nehmen an, dass die Digitalisierung intensive Auswirkungen auf die Prozesse und die Neugestaltung des Verhältnisses von Kunde, Anbieter und Lieferanten, haben wird. Bei drei Viertel der Befragten lässt sich eine positive Grundeinstellung gegenüber der Digitalisierung erkennen. Allerdings ist sich die Hälfte der Befragten unsicher darüber, ob die Digitalisierung für den Mittelstand mehr Chancen als Risiken bietet.

Neue Chancen bei der Marktteilnahme, besonders für den Mittelstand, werden bei über 70 Prozent der Befragten als Folge der Digitalisierung genannt. Die Befragten nennen dabei ein effizienteres und wirtschaftlicheres Arbeiten oder die Schaffung von flexiblen Arbeitsmöglichkeiten und Gleitzeitmodellen. Weitere Chancen werden in der nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit und der Teilnahme an überregionalen und globalen Märkten gesehen (65 Prozent). Zudem wünschen sich nahezu alle befragten Führungskräfte eine effizientere Kommunikation mit Mitarbeitern, Kunden sowie Lieferanten. Über drei Viertel der Befragten erhoffen sich durch eine intelligente Datenauswertung mehr Kenntnisse über die Kunden zu erlangen.

Als Risiko der Digitalisierung sieht die Hälfte der Befragten den Verlust von Arbeitsplätzen und die zunehmende Verletzung der Privatsphäre. Über die Hälfte sieht zudem traditionelle Geschäftsmodelle in Gefahr, nicht zuletzt durch die erheblichen Investitionskosten in Technologie und Mitarbeiterqualifikation. Eine negative Begleiterscheinung sieht die Hälfte der Befragten in der ständigen Verfügbarkeit, auch in der Freizeit. Über 40 Prozent befürchten eine Anonymisierung der sozialen und persönlichen Interaktion. Über 80 Prozent sehen mit der Digitalisierung eine unnötige Flut an Informationen und Datenmengen auf sich zukommen.

Digitalisierung ausbaufähig, Qualifizierungsdefizite, Sorge um Datensicherheit

Der zweite Teil der Untersuchung befasst sich mit dem Stand der Umsetzung in den Unternehmen. Die meisten der Befragten schätzen den Stand der Digitalisierung als ausbaufähig ein. Lediglich 12 Prozent sind der Meinung, dass bei ihrem oder in anderen Unternehmen in der Region die Digitalisierung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium realisiert sei. 36 Prozent der Befragten sind zudem der Meinung, dass Führungskräfte mit dem Thema Digitalisierung nicht gut vertraut sind und diese deshalb auch nicht aktiv vorantreiben. So geben 64 Prozent an, dass es keine speziell qualifizierten Führungskräfte für die Umsetzung der digitalen Transformation gibt. Deutlich unter 20 Prozent setzen externe Berater ein. Ein zentraler Aspekt ist das Thema Datensicherheit. Über 40 Prozent sehen durch die Digitalisierung eine akute Sicherheitsgefährdung für das das eigene Unternehmen.

Grundsätzlich gehen 65 Prozent der Führungskräfte davon aus, dass die Digitalisierung die Kommunikation zwischen Führungsperson und Mitarbeitern erleichtert. Zugleich sind über drei Viertel davon überzeugt, dass Personen, die über digitale Kommunikationsfähigkeiten verfügen, eine zentrale Führungsrolle bis hin zu einer Beeinflusserfunktion im Unternehmen haben werden. Unsicherheit besteht in der Frage, wie die zukünftige „Maschine-Mensch“-Interaktion im eigenen Betrieb aussehen wird. Die meisten gehen davon aus, dass Menschen in Zukunft mehr Anweisungen von Maschinen bekommen werden.

Die psychologische Dimension: Angst vor Überforderung

Neben dem Blick auf Prozesseffizienz und Chancenverwertung durch die Digitalisierung zeigt die Untersuchung auch eine individuell-emotionale und psychologische Dimension auf.
Fast 60 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass die digitale Transformation in ihren Auswirkungen auf die Menschen noch nicht zu überblicken ist. Nahezu 60 Prozent sind der Ansicht, dass die technologischen Möglichkeiten die Unternehmen und deren Mitarbeiter überfordern und damit zugleich zur Unübersichtlichkeit der eigenen Arbeitsprozesse führt. Über die Hälfte der Befragten bezweifelt, dass die Digitalisierung dabei helfe, sich besser auf das Wesentliche der eigenen Arbeit zu konzentrieren. Fast 60 Prozent glauben, dass die Digitalisierung die Arbeitsabläufe und die Kommunikation im Unternehmen eher belastet als fördert. Hierin ist durchaus ein Widerspruch in der Chancenbewertung und der grundsätzlich positiven Einstellung der Befragten zur Digitalisierung zu erkennen.

Erheblicher Qualifizierungsbedarf, Weiterbildung eher analog als digital

Im dritten Teil der Untersuchung wurden die Führungskräfte nach Unterstützungs- und Qualifizierungsbedarfen gefragt. Auf den ersten Blick fällt auf, dass die meisten einen erheblichen Bedarf an innovativen Management-Methoden, Change-Methoden, Methoden zu Agilem Management und Selbstreflexion haben. Interaktionsmethoden wie Open Space, Barcamp oder Word Café scheinen den meisten Führungskräften schon aus ihrem eigenen oder näheren Umfeld in der Anwendung vertraut zu sein.

Allerdings findet sich der erforderliche Qualifizierungsbedarf nicht in den realen Qualifizierungs-/ Schulungsaufwänden der Unternehmen wieder. Die Untersuchung zeigt, dass zwar der Großteil der Führungskräfte an Weiterbildungsangeboten interessiert ist, jedoch maximal 30 Prozent bereit sind, Zeit in diese Angebote zu investieren. Den meisten Qualifizierungsbedarf sehen die Führungskräfte in der digitalen Mitarbeiterkommunikation: dort sehen sie die größten Probleme und Überforderungen. Das Interesse von Führungskräften an digitalen Schulungsanwendungen bzw. Online Learning-Formaten ist überraschend gering. Die meisten der Probanden wollen digitale Weiterbildungsangebote eher in Form von analogen Seminaren und Workshops. Sehr wichtig ist den meisten Befragten die Beschäftigung mit konkreten und realen Anwendungsbeispielen.

Fazit der Bedarfs- und Trendanalyse

Industrie 4.0 ist in aller Munde. Viele kleine und mittlere Unternehmen fragen sich sehr konkret, wie sie die Chancen der Digitalisierung nutzen können. Welche Veränderungen müssen sie vornehmen und wer kann sie bei der Gestaltung ihres digitalen Transformationsprozesses unterstützen? Diese Fragen betreffen nicht nur die technische Umgebung oder Produktionsprozesse, sondern auch personelle und unternehmenskulturelle Belange und die veränderte Zusammenarbeit über die Grenze der eigenen Firma hinaus. Die Untersuchung zeigt, dass die digitale Transformation gerade für kleine und mittlere Unternehmen Chancen und Risiken zugleich birgt: Die Prozesseffizienz verbessert sich und neue Märkte werden erschlossen. Gleichzeitig nehmen der Wettbewerbsdruck und das Überforderungsgefühl zu. Vor diesem Hintergrund sind Widersprüche in den Ergebnissen der Untersuchung nachvollziehbar.

Faktisch wird die Digitalisierung eher positiv bewertet. Psychologisch allerdings zeigen sich erhebliche Vorbehalte gegenüber den neuen Technologien. Zur Auflösung dieses Widerspruchs scheinen Wissenstransfer und Qualifizierung von Führungskräften und Mitarbeitern eine zentrale Rolle zu spielen. In der Führungskräfte-Schulung geht es dabei weniger um technologische Qualifizierung, sondern eher um innovative Managementmethoden. Dabei haben analoge Qualifizierungsformate nicht ausgedient. Im Gegenteil, die Befragten legen einen besonders großen Wert  persönliche Interaktion bei der Wissensvermittlung.

Die Ergebnisse der Untersuchung auf einen Blick

Teil 1: Einstellung mittelständischer Unternehmer zur Digitalisierung

Die digitale Transformation ist in den Betrieben angekommen.
Mittelständische Führungskräfte haben zur Digitalisierung eine eher positive Grundeinstellung.
Die Digitalisierung erleichtert Arbeitsprozesse.
Die Gefährdung der Daten- und Informationssicherheit wird als erhebliches Risiko eingeschätzt.

Teil 2: Umsetzung der Digitalisierung

Im Digitalisierungsgrad von KMU gibt es erhebliche Unterschiede.
E-Mail und Intranet bleiben vorerst wichtigste Kommunikationsinstrumente.
Es gibt zu wenig Digitalisierungs-Know-how in den Unternehmen und keine spezifisch verantwortlichen Führungskräfte für die Digitalisierung.
Führungskräfte sehen bei sich selbst und bei den Mitarbeitern Wissensdefizite.
Die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter wird durch die Digitalisierung unterstützt, zugleich überfordert dieser Anspruch viele Mitarbeiter.
Generell gibt es einen Widerspruch zwischen Chancenbewertung durch Digitalisierung und Angst vor Überforderung.
Die Einflusspotenziale durch Führungskraft werden sich verändern; Mitarbeiter mit digitalem Wissen werden erheblich aufgewertet in ihrer Führungsfunktion.

Teil 3: Unterstützungsbedarfe für den weiteren Digitalisierungsprozess

Führungskräfte sehen im Rahmen der Digitalisierung erhebliche Bedarfe an Qualifizierung.
Dabei wird besonderer Wert auf innovative, interaktive Qualifizierungsmethoden gelegt.
Schulungsinhalte sind insbesondere Management-Methoden und Wissen rund um die agile Organisation, aber auch digitale Anwendungen.

Analoge Workshops und Seminare bleiben die beliebtesten Weiterbildungsformen, noch vor Online- oder Blended Learning-Schulungen.

Mittelstand Digital

Interview: „Digitale Bildung ist Change Management“

Prof. Winfried Krieger gab dieses Interview dem BMWi-Themenheft „Digitale Bildung“: http://www.mittelstand-digital.de/MD/Redaktion/DE/PDF/themenheft-digitale-bildung,property=pdf,bereich=md,sprache=de,rwb=true.pdf

Dr. Winfried Krieger ist Professor für Beschaffung, Logistik & Supply Chain Management an der Hochschule Flensburg und beschäftigt sich in der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation mit Fragen der digitalen Bildung. Für eine gleichnamige Broschüre des Bundeswirtschaftsministeriums erläutert er im Gespräch, welche Rolle den Führungskräften in kleinen und mittleren Unternehmen bei der Digitalisierung zukommt und wie die digitalen Kompetenzen der Führungskräfte entwickelt werden können. Dabei zeigt Krieger, dass Führungskräfte die digitalen Veränderungsprozesse aktiv und strukturiert in die Unternehmen hineintragen und gleichzeitig den Mitarbeitern Zukunftssicherheit vermitteln müssen. Dabei ist es nicht so entscheidend, dass die Führungskräfte alle notwendigen digitalen Kompetenzen selbst besitzen, sondern vielmehr, dass sie die Offenheit und den Willen zu dieser Veränderung vorleben.

Herr Professor Dr. Krieger, was sind die größten Herausforderungen bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen in Unternehmen?

Viele Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter in kleinen und mittleren Betrieben erleben den digitalen Wandel als erhebliche Veränderung und sehr häufig auch als Bedrohung. Wir machen die Erfahrung, dass dabei die Veränderungen selbst nicht das Problem sind, sondern die damit verknüpften Unsicherheiten. Aber Sicherheit zu geben, ist doch elementare Aufgabe jeder Führungskraft. Häufig mangelt es trotzdem an aktiver und strukturierter Führung im Veränderungsprozess.

Das heißt, Führungskräften kommt eine besondere Bedeutung zu?

Ja, unbedingt. Wenn wir über Digitalisierung sprechen, dann sprechen wir über fundamentale Anpassungs-­ und Veränderungsnotwendigkeiten in den Unternehmen – und diese müssen zuvorderst von den Führungskräften der Unternehmen angestoßen werden. Sie sind sowohl Treiber und Manager dieses Prozesses als auch Vorbild für die Mitarbeiter. Dabei ist viel weniger entscheidend, dass die Führungskraft alle notwendigen digitalen Kompetenzen besitzt, sondern vielmehr, dass sie die Offenheit und den Willen zur aktiven Gestaltung dieser Veränderungen vorlebt.

Warum fällt es Führungskräften oft so schwer, sich auf diese digitalen Veränderungen einzustellen und zu lernen damit aktiv umzugehen?

Vielen Betrieben geht es gut und der unmittelbare Bedarf für Maßnahmen zur digitalen Transformation wird nicht gesehen. Dann sind „Industrie 4.0“ oder „Digitalisierung“ abstrakt und scheinen weit weg von der Arbeitsrealität in den Betrieben. Und gerade in Unternehmen, in denen Arbeits-­ und Produktionsprozesse von großer Kontinuität geprägt sind, fällt es schwer, den Schalter umzulegen – nur weil von Ferne zu hören ist, dass die Digitalisierung auch sie betrifft; und das Tagesgeschäft muss ja auch stets sichergestellt bleiben.

Also was können diese Unternehmen tun?

Es geht nicht darum, von heute auf morgen den Schalter umzulegen. Wichtig ist, dass in der Geschäftsführung die Bedeutung des Themas erkannt wird und die Führungskräfte befähigt werden, diesen Prozess zu gestalten. Das ist ein langfristiger Prozess, der in vielen kleinen Schritten erfolgt. Der erste Schritt muss die Konsequenzen der Digitalisierung für das eigene Geschäftsmodell klären. Zur Unterstützung ist es dann nicht damit getan, den Unternehmen möglichst viele Informationen zur Digitalisierung bereit zu stellen – viel hilft nicht viel. Weiterbildungs-­ und Trainingsangebote müssen die Führungskräfte genau dort abholen, wo sie im Moment stehen.

Welche Formate können helfen, digitale Kompetenzen zu entwickeln?

Die Hochschule Flensburg als Teil der Mittelstand 4.0­-Agentur Kommunikation konzentriert sich auf Blended Learning Formate für Fach­ und Führungskräfte – eine Mischung aus Präsenzveranstaltungen und eLearning. Dieses Format verbindet Seminare, eLearning, Web­- und Telefonkonferenzen miteinander und bietet den Teilnehmern damit unterschiedlichste Lern­- und Interaktionsmöglichkeiten. Die Kursdauer von rund zwei Wochen sichert dabei die nachhaltige Verknüpfung mit den jeweiligen Unternehmenswelten der Führungskräfte.

Können Sie ein Beispiel nennen, wo es erfolgreich gelungen ist, die digitalen Kompetenzen in einem kleinen oder mittleren Betrieb zu stärken?

Ein gelungenes Beispiel für die Qualifizierung von Fach­ und Führungskräften in neuen digitalen Themen ist die All for One Steeb AG. Das Systemhaus mit etwa 1.300 Mitarbeitern hat im Bereich der cloudbasierten ERP­-Systeme in den letzten Jahren Blended-­Learning-­Kurse für seine mittelständischen Kunden sehr erfolgreich genutzt. Die Akzeptanz und nachhaltige Wirksamkeit dieser offenen Kurse ist beeindruckend positiv.

Prof. Winfried Krieger gab dieses Interview dem BMWi-Themenheft „Digitale Bildung“: http://www.mittelstand-digital.de/MD/Redaktion/DE/PDF/themenheft-digitale-bildung,property=pdf,bereich=md,sprache=de,rwb=true.pdf

Titelbild: Pixabay, Geralt, Lizenziert nach CC BY 2.0