Fleischeslust

Social Hack: Ein Metzgermeister bedient seine Kunden auch virtuell

Während andere Betriebe sterben, hat Andreas Vick im Jahr 2016 die erste neue Metzgerei seit 30 Jahren im Kreis Bergstraße gegründet. Eine, „in der man sich wohlfühlen kann“. Er bindet seine Kunden über Erlebnisse und Online-Marketing. 

Vor drei Jahren saß Andreas Vick mit seiner Freundin in der Markthalle im italienischen Florenz. „Dort war Fleisch zur Schau gestellt wie Kleidung. An Essständen saßen die Menschen und haben diese Lebensmittel genossen. So auch wir“, erzählt der heute 37-jährige sein Urlaubserlebnis. Er hatte eine Ausbildung als Metzger abgeschlossen, war danach aber „im Sumpf der Industrie mit Plastikverpackungen und Fertiggewürzen“ gelandet. Das frustrierte den jungen Mann. Er wechselte die Branche und war 12 Jahre lang als Geschäftsführer und Unternehmensberater im Vertrieb von Immobilien tätig.

Schinkenplatte in Florenz gibt Anstoß

Der Genuss der Schinkenplatte in besagter Markthalle hat einen Gedanken in ihm angestoßen, der einen 18-monatigen Entstehungsprozess nach sich zog und ihn durch Metzgereien in ganz Europa reisen ließ. Dieser endete mit der Eröffnung der „Fleischeslust die Metzgerei und Feinkosteria e.K“ am 17. Dezember 2016 im Bensheimer Stadtteil Auerbach.

Neben der Theke gibt es ein durchs Schaufenster von der Straße einsehbares Dry-Age-Kühlhaus. „Inspiriert vom Markt in Florenz können die Kunden hier direkt ins Herz der Metzgerei blicken“, so Vick, „das signalisiert gleichzeitig: wir haben nichts zu verstecken!“. Es gibt einen Gastraum, in dem man „sich wohlfühlen kann“. Einmal im Monat findet ein Meat‘n Greet statt. Bei einem Glas Wein kommen Kunden und die acht Mitarbeiter ins Gespräch. Mit einer Rösterei im Ort kam so die Idee zustande, eine Kalbsbratwurst mit zerstoßenen Kaffee-Bohnen zu kreieren.

Die virtuelle Theke

Neben dem Ladengeschäft der Metzgerei bedient Andreas Vick seine Kunden auch virtuell: Seine Website www.die-fleischeslust.com und sein Logo hat er mit einem Baukasten-Konzept selbst gestaltet. „Das war gar nicht schwer“, sagt Vick, der sich selbst als nicht besonders technikaffin bezeichnet. Die Texte („Sehen, wo die Schnitzel wachsen“, „Da lachen ja die Hühner“) für seinen Hack-Blog schreibt er selbst. Darin erzählt er Geschichten rund um seine Produkte. Auch die Bilder und die Videos für seine Website, die Instagram-, Facebook- und YouTube-Accounts macht er selbst. Die Bilder wirken professionell. „Wir bearbeiten alle Fotos mit Adobe Photoshop nach. Aber auch das ist nicht schwierig. Mit drei Klicks habe ich den Kontrast und die Belichtung auf jedem Bild professionell eingestellt“.

Social Media als fester Teil des Arbeitsalltags

Social Media müsse man als festen Teil der Arbeit verstehen, rät Andreas Vick. „Ich denke in meinem Arbeitsalltag immer mit: Was kann ich fotografieren oder mit der Videokamera filmen?“. Die Geschichten ergeben sich dann von alleine. Die Zielgruppe erreicht der Metzgermeister jedenfalls auf diese Weise: „So viele Kunden, wie über Facebook, würde ich über eine gedruckte Anzeige nicht ansprechen können. Von den Kosten ganz abgesehen.“ Alleine die Meldung zum Start der Grillsaison hat auf Facebook 189 Fans gefallen.

Praxisbeispiel-H&R

Den digitalen Wandel anpacken: H&R GmbH

Mit Unterstützung der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation hat die H&R GmbH einen „Teamtag Digitalisierung“ durchgeführt, in dessen Zentrum der Austausch der Mitarbeiter in einem World-Café stand. Ausdrücklich erwünscht und erlaubt war hier neben dem gemeinsamen Erarbeiten konkreter Digitalisierungs-Ideen auch die Diskussion über Wünsche, Vorbehalte und Ängste der Teilnehmer.

Die Digitalisierung als Veränderung eines Unternehmens wird umso besser funktionieren, je größer die Akzeptanz dafür bei den Mitarbeitern ist. Die möglichst frühzeitige Einbindung  von Mitarbeitern aller Ressorts und Hierarchiestufen in den Veränderungsprozess legt hierfür einen Grundstein.

Herausforderungen im Unternehmen

Der Unternehmer steht vor der Herausforderung, dass er keinen Überblick über aktuelle und „reife“ Technologien (zum Beispiel additive Fertigungsverfahren oder RFID-gestützte Warenstrom-Verfolgbarkeit) hat, die sich im Rahmen der finanziellen, personellen und organisatorischen Ressourcen überhaupt für sein Unternehmen eignen würden. Weiterhin kann der Unternehmer schwer einschätzen, wie sein Team der Digitalisierung emotional gegenüber steht. Werden dadurch vielleicht erst Ängste vor dem Verlust des Arbeitsplatzes (Stichworte Roboterisierung, Automation) oder, gerade bei den älteren Mitarbeitern, Ängste vor steigender Technisierung geweckt, die dem Unternehmen am Ende mehr schaden als nutzen?

„Teamtag Digitalisierung“

Innerhalb der Arbeitszeit, jedoch bewusst außerhalb der täglichen Arbeitsumgebung (out-of-the-box), traf sich das gesamte Team in einem Tagungshotel; Kaffee, Getränke und kleine Snacks standen bereit. Nach der Eröffnung durch den Inhaber legte die Junior-Chefin mit einem sehr greifbaren Kurzvortrag über die Chancen, Potenziale und Notwendigkeiten der digitalen Transformation für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens den inhaltlichen Grundstein für den Workshop.

Im anschließenden „World-Café“ tauschten sich die Teilnehmer in zufällig zusammengesetzten kleinen Gesprächsrunden an drei Thementischen zu den vorbereiteten Leitfragen aus.

  • Was verstehe ICH unter “Digitalisierung“? Was bedeutet sie für MICH?
  • Wo im Unternehmen kann uns „Digitalisierung“ gezielt helfen?
  • Wenn ich mir was wünschen dürfte … (Wie sollte unser digitales Unternehmen aussehen?)

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Fischzucht 4.0

Fischzucht 4.0

Als Geschäftsführer der NTC GmbH kommt Eric Nürnberger ursprünglich aus der IT-Branche. Mit Fischmaster gründete der Hobbyangler ein neues Unternehmen, das die Indoor-Aquakultur und sein IT-Know-how verbindet.

Ausgangssituation

Auf dem Gelände einer ehemaligen Luftwaffenhofreite von 1938 im hessischen Trebur, tüftelt der heute 48-jährige IT-Fachmann Eric Nürnberger mit einem interdisziplinären Team aus 25 Mitarbeitern an der optimalen Indoor-Fischzucht, darunter Techniker, Schlossermeister, promovierte Agrarwissenschaftler und Fischwirte aus unterschiedlichen Fachrichtungen. In den sanierten Fachwerkhäusern wird gezüchtet, geschlachtet, zubereitet, verschickt und frisch verkauft.

Der Hobbyangler beschäftigte sich seit mehr als zehn Jahren mit der Fischzucht und der Indoor-Aquakultur. In Seminaren sah er erhebliche Defizite bei der aktuellen Zucht: „Da geht doch noch mehr“, dachte er sich. Gemeinsam mit zwei Kollegen aus Luxemburg und der Schweiz begann er daraufhin eigene Becken-Prototypen in seiner Garage zu bauen und sie mit Fischen zu bestücken.

Heute

Er entschied sich für den Zander, da dies ein sehr hochpreisiger aber auch sehr pflegeintensiver und stressempfindlicher Süßwasserfisch ist. Nürnbergers Unternehmerehrgeiz war geweckt.

Auf dem Weg musste der motivierte Unternehmer den Tod von Fischen verschmerzen, bis ihm die Idee kam, seine Prozesse durch die „hauseigene“ IT zu optimieren. Sein Ziel war es, durch feine Sensorik eine „selbstheilende Maschine“ zu schaffen, die Abweichungen erkennt, diese kommuniziert und dann reagiert. Hierzu musste er zunächst die wichtigsten Parameter für den Aufzuchtprozess herausarbeiten, wie zum Beispiel Licht, Wassertemperatur oder der Sauerstoffgehalt des Wassers. Mittlerweile werden das Futtersystem, das Licht und die Jahreszeiten-Simulation sensorisch gesteuert.

Neben der optimalen Überwachung der Prozesse durch Maschinen ist es wichtig, einen Kreis an motivierten Fachkräften um sich zu haben, die in der Aquakultur nicht leicht zu finden seien, sagt Nürnberger. „In der Entwicklung zu arbeiten, kann frustrierend sein.“ Ergebnisse seien oft erst viel später erkennbar und im schlimmsten Fall können die Zander bei einer Umstellung nicht überleben. Hier muss der zweifache Geschäftsführer die Belegschaft aufbauen. Dennoch fühle er sich gemeinsam mit seinem Team wie auf einer Reise gen Zukunft: „Wir sitzen alle gemeinsam im Zug in eine Richtung.“

Nicht nur bei den Zuchtprozessen der Fische konnte Nürnberger sein IT-Wissen anbringen, auch auf anderen Gebieten ist er immer wieder auf der Suche nach Innovationen: Die Fischmaster GmbH verfügt neben dem Hofladen auf dem Werksgelände über einen eigenen Onlineshop. Hier können Kunden an zwei Tagen pro Woche nach der Schlachtung deutschlandweit Frischfisch bestellen. Obwohl in einem Verfahren genau darauf geachtet wird, dass die Kühlkette beim Versand des Frischfisches eingehalten wird, nehmen die Kunden diese Option bisher nur zögerlich an.

Zukunft

„Ich hätte noch tausend Ideen“, sagt der Geschäftsführer. Doch auch er ist in seinen Möglichkeiten finanziell und durch den Druck des Marktes eingeschränkt. Außerdem fügt er hinzu: „würde ich heute noch einmal eine Anlage bauen, würde ich sie ganz anders bauen.“ Denn nicht nur die Wissenschaft hat bereits neue Ergebnisse zur Indoor-Aquakultur erlangt, auch durch seine autodidaktische Herangehensweise konnte Nürnberger selbst neue Erkenntnisse sammeln. Dieses Wissen teilt er auch mit anderen Unternehmen, um ihnen seine eigenen anfänglichen Fehler zu ersparen und einen gegenseitigen Austausch zu ermöglichen.

Der Blick des Unternehmers ist in die Zukunft gerichtet: „Die Digitalisierung ist doch nie fertig“. Er findet besonders das Ressourcenmanagement könne von der Digitalisierung profitieren, sein Stichwort: „urbane Lebensmittelversorgung“. Einen geschlossenen Kreislauf in einem volldigitalisierten Gewächshaus zu schaffen, ist das nächste Projekt von Eric Nürnberger. 30 Gewächshäuser entstehen derzeit auf seinem „Food and Energy Campus“ unweit seines derzeitigen Firmengeländes.

Einen ausführlicheren Artikel zu dem Thema finden Sie im Magazin „Wissenschaft trifft Praxis“:
Magazin: „Wissenschaft trifft Praxis: Digitale Geschäftsmodelle“ herunterladen

Praxisbeispiel-Rex

Wie digitalisiert man ein analoges Unternehmen?

Mattias Finzelberg war 25 Jahre lang selbstständiger Berater für die Maschinenbau- und Automobilindustrie. Irgendwann war ihn das zu wenig und er übernahm im Jahr 2008 die Rex Gummitechniken GmbH & Co. KG in Pfungstadt. Vom ersten Tag an startete er mit der Digitalisierung des mittelständischen Unternehmens. Erstes Ziel war die Einführung eines ERP-Systems.

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Ausgangssituation

„Chaos war gar kein Ausdruck, was herrschte, als ich hier im Dezember 2008 anfing“, sagt Mattias Finzelberg und läuft durch die aufgeräumte Abziehhalle. Er entsorgte ganze 55 Tonnen Stahlschrott und 30 Tonnen Keramikabfall. Sieben Lkw-Züge waren nötig, um den alten Ballast aus dem damals noch analogen Betrieb wegzubringen.

Sauberkeit und Ordnung führte Finzelberg von der ersten Woche an mit der 5S-Arbeitsplatzgestaltung ein. Das war der erste Schritt, bevor er begann, die Prozesse zu straffen.

Heute

Chemie liegt in der Luft. 19 Mitarbeiter stellen in seinem Betrieb in der Pfungstädter Ostendstraße auf 1.500 Quadratmetern Chemikalienschutzhandschuhe, Cip-Säcke, Gasabsperrblasen aus natürlichem und synthetischem Gummi her. Auch wenn hier noch viel Handarbeit verrichtet wird: Das Unternehmen ist komplett durchzogen von einer digitalen Infrastruktur.

Der heute 58-jährige Ingenieur hatte gezielt nach einem Unternehmen gesucht, das er übernehmen kann, um sein Wissen über die Kraft der digitalen Optimierung selbst in die Realität umzusetzen. Er fand das Unternehmen an einem Skilift in Zürs. Dort kam er mit einem älteren Herrn ins Gespräch, der sich darüber beklagte, nicht oft Skifahren zu können. Er müsse sein Unternehmen in Pfungstadt führen, das keine seiner Töchter übernehmen wolle. Nachmittags traf sich Finzelberg mit ihm zum Kaffee, ein halbes Jahr später gehörte ihm die Rex Gummitechniken GmbH. Dann hat er sich das Unternehmen angeschaut und sich gefragt: „Welche Methoden kenne ich? Welche kann ich einsetzen?“ Vom ersten Tag an gestaltete er aktiv den Wandel und digitalisierte das Unternehmen.

ERP-System eingeführt

Heute spricht der rührige Schwabe genauso begeistert von Polymerketten im synthetischen Gummi wie über die Scanner, Barcodes und Rechner in Reinräumen, die seine Produktionsfläche durchziehen. Sie alle sind Hilfsmittel, die zu seinem zwei Monate nach Unternehmensübernahme eingeführten Enterprise-Ressource-Planning-System – kurz ERP – gehören. Damit kann er alle Prozesse im Unternehmen in Echtzeit überwachen und steuern. Finzelberg konnte das ERP-System – eine Standardlösung von Siemens – aufgrund seiner Erfahrung als Berater in zwei Monaten realisieren. Normalerweise muss man mit rund 18 Monaten rechnen, sagt er. Wichtig sei, dass die Einführung ganz klar Chef-Sache ist.

Die Methode „5S“

Die Methode „5S“ stammt aus Japan. Mit ihr sollen Arbeitsplätze sicher, sauber und übersichtlich
gestaltet werden. Reibungsverluste sollen verringert und Arbeitszeit, die beispielsweise beim Suchen von Ersatzteilen verschwendet worden
wäre, gespart werden. Das Ziel: Die Arbeit läuft störungsfrei ab. Die 5S:

1. Seiri: Sortiere aus. Alles was für die Arbeit an diesem Platz nicht benötigt wird, kommt weg.

2. Seiton: Stelle ordentlich hin. Was gebraucht wird, bekommt einen definierten und gekennzeichneten festen Platz.

3. Seiso: Säubere. Jeder reinigt seinen Arbeitsplatz und seine Utensilien selbst. Dabei werden Mängel erkannt, markiert und stetig abgearbeitet. Die Reinigung dient dem Prüfen.

4. Seiketsu: Standardisiere. Das bedeutet Verwendung von einheitlichen Kennzeichnungen, Beschriftungen und Markierungen im gesamten Arbeitsbereich zu jeder Zeit.

5. Shitsuke: Selbstdisziplin und ständige Verbesserung. Für Ordnung und Sauberkeit ist Disziplin erforderlich. Ist eine Stellfläche für ein Werkzeug definiert, gehört es auch immer dort hin. Abweichungen müssen beseitigt werden.

Mensch und Maschine kommunizieren

Das gesamte Unternehmen ist vernetzt, jeder Arbeitsgang auswertbar und einem Mitarbeiter zuordenbar. Gleichzeitig dient die Dokumentation der Qualitätssicherung.
Stechkarten gibt es nicht mehr; jeder scannt morgens seinen persönlichen Strichcode. Die Mitarbeiter sind so beweglicher: „Bei uns sind die Mitarbeiter nicht monopolisiert auf einen Arbeitsplatz“, sagt Finzelberg. „Auf den Bildschirmen sehen sie, wo’s klemmt und können dort flexibel helfen.“ Aber erst, nachdem sie sich per Scanner und Barcode für diesen Arbeitsgang angemeldet haben. So ist nebenbei eine lückenlose Dokumentation möglich. Berechtigungen sind auch per Barcode geregelt. So wird gewährleistet, dass jeder nur in seinem Kompetenzbereich tätig werden kann.

Die Daten aus dem ERP-System laufen in einer zentralen Datenbank zusammen. Finzelberg kann sie von seinem Rechner aus auswerten, steuern und optimieren. Zum Beispiel kann er die Wanne mit dem flüssigen Gummi so von unten über die Keramikformen fahren, dass sie genau eintauchen. „Jeder Millimeter zu viel bedeutet für uns Material- und Geld-Verlust“, so der Unternehmer. Auch die Trockenzeiten hat Finzelberg dank selbst veränderter Rezeptur verringert und so die Produktivität gesteigert. Die Maschinen laufen rund um die Uhr, 98 Prozent der Zeit: Eineinhalb Schichten mit Personal, eine Schicht in der Nacht „mannlos“ dank digitaler Welt. Trotzdem ist alles überwacht.

ERP-System (Definition)

Mit der Software eines Enterprise-Ressource-Planning-Systems kann ein Unternehmen Kapital, Personal, Maschinen, Material und IT-Systeme überwachen, planen und steuern. So können die Effizienz erhöht und Prozesse stetig verbessert werden. Das System sollte möglichst alle Geschäftsprozesse abbilden und Insellösungen ersetzen. Zur Verfügung steht Standard-, Individual- und Open Source-Software.

Sein nächstes Ziel ist die papierlose Fabrik. Schon jetzt werden alle Papiere gescannt und anschließend entsorgt. Die ganze Firma arbeitet mit einem Dokumentmanagementsystem. Der Weg dorthin war nicht für alle einfach und nicht jeder Mitarbeiter wollte sich zusammen mit dem Unternehmen weiterentwickeln. „Was die Mitarbeiter hier mitgemacht haben, war schon ein Quantensprung“, sagt Finzelberg. Es gibt einige, die schon seit Jahrzehnten dabei sind. „Ich habe mich mit den Mitarbeitern hingesetzt und ihnen erklärt, was auf sie zukommt und warum wir was ändern.“ Auf diese individuelle Weise schulte der Chef seine Mitarbeiter und zog sie mit seinem Enthusiasmus mit.

Früher arbeiteten sieben Angestellte in der Verwaltung und 13 in der Produktion. Heute sind es 19 in der Produktion und nur noch der Chef in der Verwaltung. Früher produzierten sie 28 bis 30 Chargen pro Tag, heute sind es 55 Chargen. So der Wandel in Zahlen. Demnächst werden zwei neue Tauchhäuser auf 100 Quadratmetern gebaut, um mit der bestehenden Mannschaft noch effektiver arbeiten zu können. Weder über den Preis für den Betrieb, noch über seine Investitionen will Finzelberg Auskunft geben. Nur so viel: Die Digitalisierung eines Tauchhauses allein kostete ihn 200.000 Euro. Auch wenn die Einführung eines ERP-Systems und ensprechender Sensorik sicher nicht billig ist, rechnet sich eine solche Lösung trotzdem schnell, da sie die Produktivität steigert. „Hier gibt es keine Hebel und Schalter mehr“. Stattdessen steuern die Mitarbeiter alles über eine Software vom PC aus.

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Wissensaustausch

Wissensmanagement im praktischen Einsatz: Organisatorische Lösungen

Wissen wird für Unternehmen zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Wissensmanagement ist daher ein wichtiges Thema für Unternehmen.

Was ist Wissensmanagement?

  • Darunter versteht man das Erzeugen, Speichern, Verteilen und Anwenden von Wissen.
  • Die Aufgabe von Wissensmanagement ist es, relevantes externes und internes Wissen systematisch zu erfassen und zu dokumentieren.
  • Wissensmanagement unterstützt die Erreichung der Unternehmensziele und bezieht den einzelnen Mitarbeiter als Träger des organisationalen Wissens mit ein.
  • Durch Wissensmanagement können die Wertschöpfung erhöht und die Transparenz innerhalb des Unternehmens verbessert werden.

In diesem Artikel wird anhand von Beispielen aus der Praxis vorgestellt, wie Wissensmanagement in mittelständischen Unternehmen oder Organisationen erfolgreich eingesetzt wird. Nachdem im Teil 1 ein Schwerpunkt auf technologischen Lösungen lag, stellen wir nun organisatorische Methoden vor. Diese eignen sich auch für den Einsatz in einer digitalen Arbeitswelt, denn sie fördern den Wissensaustausch im Unternehmen.

Organisatorische Lösungen für das Wissensmanagement

Lessons Learned, interne Schulungen, Zusammenarbeit in Gruppen, Netzwerke und Storytelling sind organisatorische Ansätze des Wissensmanagements.

  • Lessons Learned ist eine Methode zur Sicherung von Erfahrungen in Projekten. Im Rahmen eines sogenannten Lessons Learned Workshops tragen die Projektbeteiligten ihre Erfahrungen zusammen und dokumentieren sie. Ein Workshop dauert in der Regel einen halben Tag und findet mehrfach während eines Projektes statt. Durch eine Kopplung an wichtige Projektphasen (Meilensteine) können die Projektmitarbeiter direkt im Projektverlauf Fehler erkennen und aus diesen lernen. So kann insgesamt eine Verbesserung des Projekts erreicht werden und die Erfahrungen werden für nachfolgende Projekte dokumentiert.
  • Die Helmut Beyers GmbH hat die Methode als Pilotprojekt in der Produktionsabteilung eingeführt, um im Anschluss an größere Projekte Erfahrungen zu sichern.
  • Die Würth Elektronik ICS GmbH & Co. KG setzt die Methode auf Projektebene ein.

Leitfaden „Erfahrungenaus Projekten teilen und dokumentieren“ herunterladen

  • Interne Schulungen – von Mitarbeiter zu Mitarbeiter – dienen dem Kompetenzerwerb und auch dem teamübergreifenden Wissensaustausch im Unternehmen.
  • Die SMA Solar Technology AG hat eine eigene „University“ aufgebaut. Diese bietet ein internes Weiterbildungsangebot für Ingenieure und Produktmanager an.
  • Die HMS Analytical Software GmbH realisiert interne Schulungen in Form von Wissenszirkeln, die meist viermal pro Jahr stattfinden. Innerhalb von Gruppen werden bestimmte Themen selbstständig erarbeitet. Teilnehmer halten Vorträge, berichten aus externen Schulungen oder erstellen Konzepte, die im Wiki abgelegt werden. Die Schulungen umfassen technische, methodische und anwendungsbezogene Themenstellungen von Projektmanagement bis hin zu Anforderungen in bestimmten Branchen.
    Eine weitere Form des Wissensaustausches ist die regelmäßige Zusammenarbeit in themenbezogenen Gruppen oder Netzwerken. Dies findet bei SMA Solar Technology AG, HMS Analytical Software GmbH und dem Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformationen statt.
  • SMA Solar Technology AG hat Arbeitskreise etabliert, in denen an konkreten Arbeitsaufträgen gearbeitet wird. In den sogenannten Wissensnetzwerken, findet ein informeller Austausch von Erfahrungen und Informationen zu einem bestimmten Fachgebiet statt. Insbesondere im Technologiebereich sind viele Wissensnetzwerke entstanden.Die HMS Analytical Software GmbH hat sowohl themenbezogene Gruppen als auch allgemeine Veranstaltungen zum Austausch. So findet viermal pro Jahr eine Unternehmenskonferenz statt.
  • Das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformationen setzt verstärkt Teamarbeit ein, um den Wissenstransfer zu fördern. Zum regelmäßigen Austausch auf informelle Ebene zählt auch das Unternehmensmittagsessen. Hier können sich zwei Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen oder unterschiedlicher Hierarchieebenen zum Mittagessen verabreden und über ihre Arbeit austauschen. Dies wird bei den Unternehmen SMA Solar Technology AG und HMS Analytical Software GmbH angeboten.

Die Sicherung des Wissens ausscheidender Mitarbeiter, ob bedingt durch einen Ruhestand oder einen Jobwechsel, ist immer von hoher Relevanz für ein Unternehmen. Häufig findet nur eine sehr kurze Einarbeitung des Mitarbeiters statt. In der Praxis wird das Wissen von ausscheidenden Mitarbeitern häufig in Dateien oder Aktenordnen abgelegt, um es zu dokumentieren. Der Suchaufwand nach bestimmten Informationen ist im Nachhinein oftmals hoch, wenn der Erfahrungshintergrund des Mitarbeiters fehlt. Das Erfahrungswissen, das oft nicht bewusst genutzt wird, zu erfassen, stellt eine Herausforderung bei der Übergabe an den neuen Mitarbeiter dar.

  • Das sogenannte Storytelling ist eine Methode des Wissenstransfers, das sich in diesem Kontext eignet: das Erzählen und Dokumentieren von Erfahrungsgeschichten einzelner Mitarbeiter. Oft werden dabei Höhepunkte und Krisen im beruflichen Kontext dargestellt. Ein neutraler Moderator begleitet den Prozess. Das Erfahrungswissen kann mit fachlichen Informationen verknüpft und in einer IT-Lösung gespeichert werden.

Da viele Mitarbeiter in den Ruhestand gingen und ihre Stellen nicht wieder besetzt wurden, versuchte das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformationen eine Lösung finden, um die Weitergabe vom Erfahrungswissen zu ermöglichen und das Wissen zu sichern. Die Behörde hat daher das Storytelling eingeführt. Es werden bestimmte Personen ausgewählt, die über hochgradiges Spezialwissen verfügten oder als Führungskräfte agierten. Die Interviews mit den Mitarbeitern und die Dokumentation der Inhalte wurden anfangs durch externe Berater begleitet. Zur Weitergabe von expliziten Wissen wird das strukturierte Verfahren genutzt, das mittels Wissenslandkarten oder Wissensbäumen das Wissen der Mitarbeiter nach sachlich strukturierten Überlegungen weitergibt und dokumentiert.

  • Bei der SMA Solar Technology AG existiert ein eigener Prozess zur Sicherung des Wissens ausscheidender Mitarbeiter. Mit Hilfe von Jobmaps werden die Aufgaben, vergangene, laufende und zukünftige Projekte, Termine und persönliche Kontakte des Mitarbeiters dokumentiert. Danach erfolgen strukturierte Übergabegespräche, die mit Hilfe von Checklisten, Audio und Screencasting unterstützt werden.

Leitfaden „Erfahrungswissen mit digitalen Methoden sichern und nutzen“ herunterladen

Unternehmensprofile

Helmut Beyers GmbH

Die Helmut Beyers GmbH mit Sitz in Mönchengladbach ist ein Elektronik-Dienstleister mit ca. 160 Mitarbeitern. Zu seinen Dienstleistungen zählen die Produktion von Elektronikbaugruppen und -geräten sowie begleitende Dienstleistungen von der Entwicklung bis zum Versand an den Endkunden.

Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformationen

Das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (HLBG) unterstützt mit seinen Dienstleistungen und Produkten die Entwicklung zukunfts- und umweltorientierter Lebensräume in Hessen. Es ist Teil der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation (HVBG), die für das Führen des Liegenschaftskatasters verantwortlich ist. Sie sichert damit das Eigentum an Grund und Boden. Außerdem fördert sie die nachhaltige und umweltgerechte Entwicklung ländlicher und urbaner Lebensräume durch die Instrumente der Flurneuordnung und des städtebaulichen Bodenordnungsrechts.

HMS Analytical Software GmbH

HMS Analytical Software GmbH ist ein IT-Dienstleister und ein Beratungsunternehmen für Business Intelligence und Datenanalysesysteme mit Sitz in Heidelberg. Das Unternehmen begleitet die Planung und Einführung von Softwaresystemen, übernimmt die Entwicklung von Programmen und Anwendungen und leistet Support für Kunden im laufenden Betrieb. Kunden der Firma HMS sind unter anderem Banken, Versicherungen sowie Hersteller von Pharma- und Medizinprodukten. HMS hat ca. 50 Mitarbeiter, davon sind 40 als Berater tätig.

Kristronics GmbH

Kristronics GmbH ist ein innovatives Elektronik-Unternehmen, das Entwicklungs-, Produktions- und Logistikdienstleistungen in den Segmenten Automotive, Industrie-Elektronik und Life Sciences anbietet. Das Unternehmen hat ca. 160 Mitarbeiter und sitzt in Harrislee in der Nähe von Flensburg.

SMA Solar Technology AG

Die SMA Gruppe ist mit einem Umsatz von über 930 Mio. Euro im Jahr 2013 Weltmarktführer bei Photovoltaik- Wechselrichtern, einer zentralen Komponente jeder Solarstromanlage, und bietet innovative Schlüsseltechnologien für künftige Energieversorgungsstrukturen an. Sie hat ihren Hauptsitz in Niestetal bei Kassel und ist in 21 Ländern vertreten.

Würth Elektronik ICS GmbH & Co. KG

Das Unternehmen Würth Elektronik ICS GmbH & Co. KG mit Sitz in Öhringen ist Teil der Würth Elektronik Gruppe und Spezialist für die Entwicklung und Produktion von Systemlösungen für Regelungs- und Steuerungstechnik sowie gedruckte Elektronik und Sensoren. Zu den Produkten zählen intelligente Zentralelektriken, Powerboards, Sicherungsverteiler, Bedienfelder, Gedruckte Sensoren in Polymer-Dickschicht Technologie.

Bild: Pixabay.com/geralt

Teil 1: „Technische Lösungen des Wissensmanagements in der Praxis“ lesen

Praxisbeispiel-Video-Kundenbindung

Videos zur Vor- und Nachbereitung von Seminaren

Mit Hilfe von kurzen Videobotschaften können die Seminarteilnehmer nach dem Seminar an Regeln und Anleitungen erinnert werden. Je prägnanter eine Botschaft ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie verinnerlicht wird.

Situation für KMU in der Trainingsbranche

In Deutschland gibt es viele freiberufliche Trainer, die Seminare zu unterschiedlichsten Themen anbieten. Insbesondere die Schulung von Handlungskompetenzen wie Soft Skills werden gut von ihnen abgedeckt. Für einen Trainer ist es von Vorteil, sich einen zufriedenen Kundenstamm aufzubauen, um sich auf dem Markt zu behaupten. Ziel ist es, dass dieser möglicherweise zu einer Reihe von aufbauenden Seminaren zu ihm kommen. Dazu ist es wichtig, zum einen über die Persönlichkeit zu wirken und zum anderen Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten, die den Trainer von anderen unterscheiden.

Problemstellung

Allgemein ist der Trend zu beobachten, dass die Kompetenzvermittlung in Seminaren stärker in den Fokus rückt. Die Teilnehmer müssen zur Anwendung des erworbenen Wissens befähigt werden. Für viele Teilnehmer ist der Transfer in die Praxis im Berufsalltag schwierig. Sie müssten das Gelernte direkt anwenden und üben können, um es zu verinnerlichen und zu festigen. Insbesondere bei Soft Skills, wie die Führung von Mitarbeitern sowie Kommunikationsthemen ist dies wichtig. Nach Abschluss des Seminars besteht die Gefahr, dass die Motivation drastisch sinkt, das Gelernte anzuwenden.

Die Anforderungen und Chancen für Softskill-Trainings

Softskill-Seminare vermitteln, auf der Grundlage von Wissen aus Psychologie und Hirnforschung, Regeln und Handlungsanleitungen, die die Teilnehmer nach dem Seminar in ihrem Alltag umsetzen sollen. Der Erfolg eines Seminars aus Sicht von Teilnehmern und Auftraggeber hängt unter dem Strich davon ab, wie viele dieser Regeln und Anleitungen nach dem Seminar tatsächlich auch regelmäßig und langfristig umgesetzt werden.

Mit Hilfe von kurzen Videobotschaften können die Seminarteilnehmer nach dem Seminar an Regeln und Anleitungen erinnert werden. Je prägnanter eine Botschaft ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie verinnerlicht wird. Optimal sind konkrete Handlungsaufforderungen: Was genau soll der Teilnehmer jetzt umsetzten und üben? Dies schafft auch gute Voraussetzungen für ein begleitendes Telefon-Coaching, denn der Teilnehmer kann dann genau sagen, was ihm gelingt und was nicht. Coach und Teilnehmer sprechen eine Sprache.

Mit der Vor- und Nachbereitung von Seminaren hat Dr. Schneiderheinze im Spätherbst 2014 begonnen und mittlerweile ist die „Übung der Woche“ fester Bestandteil seines Angebotes. Es gibt aktuell keinen Kunden, der auf diesen Baustein verzichtet.

Konkreter Lösungsansatz: Videos zur Vor- und Nachbereitung von Seminaren

An Stelle eines einzelnen Präsenzseminars bietet der Trainer ein Dienstleistungspaket an. Dieses beinhaltet folgende Elemente:

  • Videos zur Vorbereitung des Präsenztermins eine Woche vorher bereitstellen
    1-2 Tage Präsenzseminar durchführen
  • Wöchentlich kurze Videos als Erinnerung an vermittelte Inhalte per E-Mail an Teilnehmer versenden
  • Telefonisches Coaching bei Bedarf
  • Einbeziehung der Führungskraft des Teilnehmers 3 Monate nach Besuch des Seminars

In dem vorbereitenden Video lassen sich die Ziele des Seminars vermitteln und der Trainer kann sich den Teilnehmern vorstellen. So werden eine Vertrautheit und eine einheitliche Erwartungshaltung bezüglich der Inhalte des Seminars geschaffen.

In dem Präsenzseminar werden die Inhalte vertieft behandelt, eventuell auch anhand von praktischen Beispielen vermittelt.
Das nachgelagerte Video, das per E-Mail an die Teilnehmer gesendet wird, umfasst eine kurze Erklärung eines Werkzeugs oder einer Methode sowie dessen Einsatzmöglichkeiten und Vorteile. Dabei werden die Werkzeuge vorgestellt, an denen die Teilnehmer interessiert waren. So lässt sich der Praxistransfer gewährleisten.

In einer digitalen Anwendung, wie beispielsweise einer Videoplattform, können die Teilnehmer mittels Chatfunktion offene Fragen an den Trainer stellen, der diese wiederum beantwortet. Die Teilnehmer können sich untereinander austauschen, was positive Auswirkungen auf den Lernerfolg haben kann.

Weiterhin lassen sich zusätzliche Lernmaterialien bereitstellen, um die Inhalte zu vertiefen. Videos bieten den Vorteil, dass der Dozent die Teilnehmer direkt und authentisch ansprechen kann. Im Gegensatz zu einem schriftlichen Dokument werden Inhalte multimedial vermittelt. Die Abfolgen von Tätigkeiten lassen sich besser darstellen. Die Konzentration auf kleine Video-Lerneinheiten ist höher als beim Lesen langer Texte. Videos lassen sich relativ leicht produzieren mit allgemein zugänglichen technischen Mitteln, beispielsweise mit Hilfe eines Smartphones. Zusätzlich wichtig sind die Verwendung eines Stativs für die Stabilität des Bildes und eine ausreichende Ausleuchtung der Umgebung.

Erfahrungen

Der Trainer intensiviert durch den Einsatz der vorgestellten Methode die Kontaktmöglichkeiten zu den Teilnehmern und zum Auftraggeber. Dies erhöht die Chancen auf die Durchführung von Folgeseminaren.

Die Mehrzahl der Kunden schauen sich die Videos vor Besuch des Präsenzseminars an (70-80% der Teilnehmer). Dadurch kommen die Teilnehmer mit einer anderen Erwartungshaltung zum Seminartermin und die Qualität des Seminars ist insgesamt höher, da auf einen bestimmten Grad an Vorwissen angeknüpft werden kann.

Die Filme lassen sich wiederholt für verschiedene Kunden einsetzen, sodass sich der Aufwand der Erstellung lohnt. Mit Hilfe digitaler Werkzeuge lassen sich die Erstellung und Verteilung der Videos einfach realisieren.

Der Trainingsansatz von Dr. Schneiderheinze

Gespräche, Telefonate, Meetings und Verhandlungen bieten kaum Zeit zum Nachdenken. Hier geht es um „Echtzeit-Kommunikation“. Erfolg hängt in diesen Situationen davon ab, welche Kompetenzen man spontan abrufen kann. Denn es gibt keine Chance, in Checklisten zu schauen, Kollegen zu fragen oder gar mehrere Minuten nachzudenken. Hier zählt nur, was man an Regeln und Techniken in seiner Kommunikation verinnerlicht hat. Nur so schafft man es, auch in kritischen Situationen kühl zu bleiben und zu agieren, statt unter Stress emotional zu reagieren.

Echtzeit-Kommunikation in Vertrieb, Führung und Beratung braucht klare, einfache Regeln und leicht verständliche, praktikable Techniken, die sich in leicht verständliche, konkrete Trainingsanweisungen umsetzten lassen. Das geht weit über Ermahnungen, gute Ratschläge und Tipps hinaus.

Alle Regeln werden präzise und verständlich formuliert und begründet. Jede Technik wird anschaulich erklärt und ihre Anwendung griffig beschrieben. Im Seminar und natürlich auch in den dazu gehörigen Videobotschaften. Für den Trainingserfolg hat es sich bewährt, dass die Teilnehmer mit allen Sinnen Botschaften des Trainers aufnehmen, die sie genauso schon im Seminar gehört haben. Dadurch entsteht nachhaltiges, gehirngerechtes Lernen.

Praxisbeispiel „Einsatz von Videos zur Vor- und Nachbereitung von Seminaren und zur Steigerung der Kundenbindung“ herunterladen

World Café

Bedarfsanalyse-Workshop als World-Café

Rund 50 UnternehmerInnen nahmen an einem etwas anderen Workshop teil. Eingebettet in Kurzvorträge und Praxisberichte tauschten sie sich in einem sogenannten „World-Café“ aus.

Ein World-Café bietet den Gästen einen Rahmen, um themenbezogen in den intensiven Diskurs in kleinen Gruppen einzutreten sowie unterschiedliche Meinungen, Ideen und Impulse miteinander zu verknüpfen. Anhand vorbereiteter Leitfragen wurden so individuelle Unterstützungsbedarfe zum Thema Industrie 4.0 und Erwartungshaltungen an das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 „Mit uns digital“ erarbeitet.

3 Fragen – drei Phasen

Die drei vorbereiteten Fragen

  1.  „Für mich ist / bedeutet Digitalisierung …“,
  2. „Vom Kompetenzzentrum erwarte ich mir …“
  3. „Ich benötige Unterstützung bei …“

wurden an drei Tischen durch drei zufällig zusammengesetzte Arbeitsgruppen diskutiert. Jeder Teilnehmer schrieb seine individuellen Gedanken auf ein gemeinsames Arbeitspapier. Sehr schnell entwickelten sich hieraus intensive Gespräche und weitere Ideen innerhalb der Gruppe.

Nach jeweils 15 Minuten wurde die Gruppenarbeit beendet, und die Teilnehmer fanden sich in neuen zufälligen Kleingruppen an den anderen Tischen ein – hier konnten die bisher erarbeiteten Ergebnisse der Vorgruppe entweder weiter verfeinert oder um gänzlich neue Aspekte und Impulse ergänzt werden.

Nach den drei Gruppenphasen fand sich auf allen Arbeitspapieren eine Vielzahl von Ergebnissen wieder, die sehr eindrucksvoll die Komplexität als auch Individualität des Megatrends Digitalisierung für KMU belegen. Zur besseren Übersichtlichkeit wurden abschließend, gemeinsam mit den Teilnehmern, die Kerngedanken aus den Gruppenarbeiten abgeleitet.

Die Ergebnisse im Überblick:

(1) Kerngedanken „Für mich ist / bedeutet Digitalisierung …“

Digitalisierung ist für KMU grundsätzlich sehr ambivalent besetzt – bewegen sich permanent im Spannungsfeld zwischen Chancen (neue Geschäftsmodelle, höhere Prozess-Geschwindigkeit und Effizienzsteigerung) und schwer abschätzbaren Risiken (Verantwortung für Daten, Kontrollverlust und sich wandelnde Arbeits- und Kommunikationskultur).

(2) Kerngedanken „Vom Kompetenzzentrum erwarte ich mir …“

KMU erwarten praxistaugliche Anschauungsbeispiele und konkrete Rahmenbedingungen (Standards, Richtlinien, Methoden), idealerweise basierend auf konkreten Erfahrungen anderer Unternehmen. Große Bedeutung wird der modernen Aus- und Weiterbildung zur Vorbereitung und Mitnahme der Fach-, Führungs- und Nachwuchskräfte beigemessen.

(3) Kerngedanken „Ich benötige Unterstützung bei …“

Die Bewertung der vorhandenen Infrastruktur sowie des Kompetenzgefüges der Belegschaft fällt KMU nicht leicht – bei der Ideenfindung für neue Geschäftsmodelle und die individuelle strategische Zielsetzung wird Unterstützung benötigt.

Fazit

Mittels des World-Cafés konnten deutlich detailliertere und konkretere Ergebnisse erarbeitet werden als bei herkömmlichen Diskussionsrunden. Für die Teilnehmer wurden Herausforderungen leichter verständlich und annehmbar, während sich für das Kompetenzzentrum die von der Zielgruppe konkret formulierten Informations- und Unterstützungsbedarfe ableiten lassen.

Ausblick

Unternehmen könnten die Methode „World-Café“ gezielt einsetzen, um etwa im Mitarbeiterkreis neue Ideen für neue Geschäftsmodelle und Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens zu erarbeiten – vielleicht sind die „richtigen Typen“ dafür ja bereits an Bord?

Wenn Sie Fragen zum World-Café oder anderen zeitgemäßen Methoden der Offline-Kommunikation haben, wenden Sie sich bitte direkt an unseren Ansprechpartner Danny Kensa.

Praxisbeispiel: „Dokumentation World Café“ herunterladen

Angebotskarte „Word-Café“ herunterladen

Wie die Beschäftigten mit der digitalen Veränderung Schritt halten

Wissensmanagement im praktischen Einsatz: Technische Lösungen

In diesem Artikel werden Beispiele aus der Praxis vorgestellt, wie Wissensmanagement in mittelständischen Unternehmen oder Organisationen erfolgreich umgesetzt wird. Die vorgestellten technischen Lösungen der Unternehmen eignen sich auch für den Einsatz in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt, denn sie fördern die Dokumentation des Wissens im Unternehmen.

Wissen im Unternehmen wird für Unternehmen zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Wissensmanagement ist daher ein wichtiges Thema für Unternehmen.

  • Unter Wissensmanagement versteht man das Erzeugen, Speichern, Verteilen und Anwenden von Wissen.
  • Die Aufgabe von Wissensmanagement in Unternehmen ist es, relevantes externes und internes Wissen systematisch zu erfassen und zu dokumentieren.
  • Wissensmanagement unterstützt die Erreichung der Unternehmensziele und bezieht den einzelnen Mitarbeiter als Träger des organisationalen Wissens mit ein.
  • Durch Wissensmanagement können die Wertschöpfung erhöht und die Transparenz innerhalb des Unternehmens verbessert werden.

Technische Lösungen für das Wissensmanagement

Es gibt verschiedene technische Lösungen. Drei möchten wir Ihnen an dieser Stelle näher bringen.

  1. Strukturierte Dokumentenablagen sind die einfachste Form der technischen Unterstützung des Wissensmanagements. Wissen wird in Form von Dokumenten beschrieben, die beispielsweise auf von allen Mitarbeitern zugreifbaren Dateilaufwerken gespeichert werden. Die Dokumente werden hierbei nach Themenbereichen in einer Ordnerstruktur sortiert. Das Unternehmen Kristronics GmbH setzt diese Methode ein.
  2. Mit Hilfe von Wikis können Informationen elektronisch gespeichert und über einen Webbrowser zugänglich gemacht werden.
    In Wikis kann jeder Mitarbeiter zu beliebigen Themen Artikel verfassen, beispielsweise zu seiner Tätigkeit oder seiner Expertise. Auch eine gemeinsame Bearbeitung der Artikel ist möglich. Wird im Unternehmen ein Wiki eingesetzt, so kann dies auch zur Sicherung von Erfahrungswissen der Mitarbeiter dienen.
    Leitfaden „Wikis in Unternehmen“ herunterladen
    Praxis:
    Die Würth Elektronik ICS GmbH & Co KG setzt ein firmeninternes Wiki für das technische Projektmanagement im Bereich Entwicklung ein.
    Die HMS Analytical Software GmbH hat drei Wikis für unterschiedliche Zwecke eingeführt. Das HMS-Wiki speichert die Kompetenzen der Mitarbeiter in Form von Profilen ab, dokumentiert Tipps und Tricks und speichert die Ergebnisse interner Schulungen. Es existiert ein weiteres Wiki zur Prozessdokumentation und zum Qualitätsmanagement, beispielsweise bei Urlaubsanträgen und Standards für die Projektarbeit. In dem Projekt-Wiki werden durchgeführte Projekte zusammen mit Laufzeit und Ansprechpartner festgehalten.
  3. Wissensmanagement-Systeme sind Softwarelösungen, die den expliziten und impliziten Wissenstransfer zwischen den Nutzern und die Dokumentation des Wissens unterstützen. Sie bestehen häufig aus einer Kombination verschiedener Funktionen, wie Gruppenverwaltung, Dokumentenmanagement, Arbeitsprozessunterstützung, Suche nach Dokumenten oder Kompetenzmanagement. Häufig werden diese Systeme von größeren Organisationen eingesetzt.
    Praxis:
    Die SMA Solar Technology AG nutzt ein Wissensmanagement-System unter anderem zur Ablage der Präsentationen, die im Rahmen interner Schulungen gehalten wurden.
    Das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformationen setzt ein Wissensmanagement-System ein, in dem die Mitarbeiter Artikel zu beruflichen Aspekten verfassen können. Das System ist thematisch geordnet und ermöglicht die Verknüpfung der Artikel mit Bildern, Videos und Dokumenten. Alle Verwaltungsvorschriften sind im System hinterlegt und Mitarbeiter können darauf zugreifen.

Unternehmensprofile

Helmut Beyers GmbH

Die Helmut Beyers GmbH mit Sitz in Mönchengladbach ist ein Elektronik-Dienstleister mit circa 160 Mitarbeitern. Zu den Dienstleistungen zählen die Produktion von Elektronikbaugruppen und -geräten sowie begleitende Dienstleistungen von der Entwicklung bis zum Versand an den Endkunden.

Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformationen

Das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (HLBG) unterstützt mit seinen Dienstleistungen und Produkten die Entwicklung zukunfts- und umweltorientierter Lebensräume in Hessen. Es ist Teil der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation (HVBG), die für das Führen des Liegenschaftskatasters verantwortlich ist. Sie sichert damit das Eigentum an Grund und Boden. Außerdem fördert sie die nachhaltige und umweltgerechte Entwicklung ländlicher und urbaner Lebensräume durch die Instrumente der Flurneuordnung und des städtebaulichen Bodenordnungsrechts.

HMS Analytical Software GmbH

HMS Analytical Software GmbH ist ein IT-Dienstleister und ein Beratungsunternehmen für Business Intelligence und Datenanalysesysteme mit Sitz in Heidelberg. Das Unternehmen begleitet die Planung und Einführung von Softwaresystemen, übernimmt die Entwicklung von Programmen und Anwendungen und leistet Support für Kunden im laufenden Betrieb. Kunden der Firma HMS sind unter anderem Banken, Versicherungen sowie Hersteller von Pharma- und Medizinprodukten. HMS hat ca. 50 Mitarbeiter, davon sind 40 als Berater tätig.

Kristronics GmbH

Kristronics GmbH ist ein innovatives Elektronik-Unternehmen, das Entwicklungs-, Produktions- und Logistikdienstleistungen in den Segmenten Automotive, Industrie-Elektronik und Life Sciences anbietet. Das Unternehmen hat circa. 160 Mitarbeiter und sitzt in Harrislee in der Nähe von Flensburg.

SMA Solar Technology AG

Die SMA Gruppe ist mit einem Umsatz von über 930 Millionen Euro im Jahr 2013 Weltmarktführer bei Photovoltaik- Wechselrichtern, einer zentralen Komponente jeder Solarstromanlage, und bietet innovative Schlüsseltechnologien für künftige Energieversorgungsstrukturen an. Sie hat ihren Hauptsitz in Niestetal bei Kassel und ist in 21 Ländern vertreten.

Würth Elektronik ICS GmbH & Co. KG

Das Unternehmen Würth Elektronik ICS GmbH & Co. KG mit Sitz in Öhringen ist Teil der Würth Elektronik Gruppe und Spezialist für die Entwicklung und Produktion von Systemlösungen für Regelungs- und Steuerungstechnik sowie gedruckte Elektronik und Sensoren. Zu den Produkten zählen intelligente Zentralelektriken, Powerboards, Sicherungsverteiler, Bedienfelder, Gedruckte Sensoren in Polymer-Dickschicht Technologie.

In Teil 2 geht es um Praxisbeispiele zu organisatorischen Lösungen des Wissensmanagements.

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