Diskussionsrunde

Was muss eine IHK künftig für den digitalen Wandel bieten?

Wie muss eine Kammer sich im digitalen Wandel künftig aufstellen? Nur eine von vielen Fragestellungen, denen sich die Industrie-und Handelskammern Leipzig, Chemnitz und Dresden unter Anleitung der Mittelstand 4.0-Agenturen Kommunikation und Prozesse stellten – erste Schritte auf dem Weg zur Kammer 4.0?

In jeweils zweistündigen Workshops, vorbereitet und durchgeführt von den Mittelstand 4.0-Agenturen Kommunikation und Prozesse, setzten sich Vertreter der IHKs und weiterer wirtschaftsnaher Akteure in Leipzig, Chemnitz und Dresden intensiv mit folgender Fragestellung auseinander: Wie können Unternehmen noch besser für den digitalen Wandel begeistert werden dabei unterstützt werden?
Praktische Tipps vermittelte Prof. Dr. Thomas Thiessen, Konsortialleiter der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation, in seinem Impulsvortrag „In 5 Schritten zur Digitalisierung“ (Leitfaden zum Download als PDF).

Prof. Dr. Thomas Thiessen

Quelle: Danny Kensa

Am Beispiel der 3 Köche GmbH aus Berlin nahm Thiessen die Teilnehmer mit auf eine digitale Transformationsreise. Von der

  • Bestandsaufnahme des aktuellen Digitalisierungsgrades und
  • einer Eingrenzung des wichtigsten Handlungsbedarfs über
  • die Ermittlung des technischen und personellen Bedarfn sowie
  • der notwendigen Klärung von Kosten und Finanzierung,

konnten Zuhörer die abschließende Umsetzungsplanung für konkrete Digitalisierungsmaßnahmen des Unternehmens intensiv nachvollziehen.

Im anschließenden Dialogforum tauschten sich die Teilnehmer unter Anleitung von Danny Kensa, Methoden-Trainer der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation, in einem „World-Café“ über die vielfältigen Fragestellungen von kleinen und mittleren Unternehmen zum digitalen Wandel aus. Gemeinsam wurden Möglichkeiten erarbeitet, wie IHKs heute und zukünftig Antworten liefern und Unternehmen konkret mit Informationen und Services unterstützen können. Die zentrale Fragestellung hier war:

„Was müssen wir bieten, um kleine und mittlere Unternehmen auch künftig bei deren digitaler Transformation unterstützen zu können?“

Eine wesentliche, wenn auch nicht überraschende Erkenntnis eint alle Akteure: Die IHKs selbst müssen sich dem digitalen Wandel stellen, beispielhaft vorangehen, neue (Kommunikations-) Methoden und digitale Werkzeuge einsetzen, Praxisbeispiele und -erfahrungen anbieten. Dass die sächsischen IHKs hier bereits gut gerüstet sind, zeigen die differenzierten Arbeitsergebnisse und Diskussionsrunden sowie die Offenheit und Bereitschaft zur kontinuierlichen Wissenserweiterung.

„Unsere Unterstützungsangebote zur fachlichen und methodischen Kompetenzerweiterung bezüglich der digitalen Transformation werden durch die IHKs und viele weitere Akteure intensiv genutzt. So gelingt es uns immer besser, Potenziale zu heben und Synergien zu nutzen, die den Unternehmen unmittelbar zu Gute kommen!“,

zieht Janek Götze, Projektmanager der Mittelstand 4.0-Agentur Prozesse bei der IHK Chemnitz, sein Fazit.

Virtuelle Realität: Potenziale für den Mittelstand

„Die Gefühle, die mittels einer Situation in der Virtuellen Realität hervorgerufen werden, sind so intensiv, als erlebe man es in der Realität“, sagt Maren Courage. Sie ist eine der Gründerinnen des VR Business Clubs, der zusammen mit der Internetagentur SinnerSchrader AG und der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation zum VR Business Club nach Frankfurt am Main eingeladen hatte. „Wenn ich Leute mit Datenbrille, die vollkommen in die virtuelle Realität eingetaucht sind, über ein schwebendes Seil laufen lasse, trauen sich die meisten trotzdem nicht loszugehen, obwohl sie wissen, dass sie in der Realität gerade mit zwei Füßen auf dem Teppich stehen.“

Ziel der Veranstaltung war es, Anbieter und potenzielle gewerbliche Nutzer von Virtueller Realität (VR), Erweiterter Realität (Augmented Reality, AR) und Vermischter Realität (Mixed Reality) zu vernetzen. Es sollten möglichst viele Anwendungsszenarien gezeigt und gemeinsam entwickelt werden. Klar wurde, dass die virtuellen Möglichkeiten die Fabriken und Büros, also die meisten Arbeitsplätze verändern werden.

„Wann kann ich mich schon mal unter einen Roboterarm legen und schauen, was dort genau passiert?“, fragte Daniel Wolff. Damit wollte der Leiter der inpro Innovationsgesellschaft für fortgeschrittene Produktionssysteme in der Fahrzeugindustrie mbH während seines Vortrags verdeutlichen, welches Potenzial die Planung von Fabriken mit Hilfe von Virtueller Realität (VR) birgt.

VR und AR in der Schulung

Auch bei Schulung von Mitarbeitern könne das Eintauchen in die potenzielle Arbeitsumgebung hilfreich sein: „Was passiert, wenn ich ein bestimmtes Teil fallen lasse, das jedes Mal 500 Euro kostet? Oder bei gefährlichen Tätigkeiten: Man kann Warnen, was passiert, wenn ich den Kran nicht sicher genug aufstelle. Aber wenn ich einmal in der Virtuellen Situation erlebe, wie es ist, wenn der Kran umfällt, ruft das Gefühle hervor, die mich hinterher nicht mehr leichtsinnig handeln lassen“, sagt Daniel Wolff.

Bildergalerie: 

Möglichkeiten der Fernwartung

Nicht gleich komplett in die Virtuelle Realität eintauchen möchten viele Mittelständler. Diese können aber beispielsweise Serviceleistungen beschleunigen, vereinfachen, kundenfreundlicher gestalten, wenn sie Wartungsleistungen per Erweiterter Realität auch aus der Ferne erbringen können. Der Technikexperte in der Zentrale sieht auf seinem Bildschirm die vor Ort gefilmte Situation und gibt dem Kollegen aus der Ferne Hinweise, welche Schritte er in Detail ausführen soll.

Wartung 4.0: Die Mittelstand 4.0-Agentur Prozesse hat die Broschüre „Digitale Wartung und Instandhaltung – Grundlagen und Anwendungsbeispiele“ veröffentlicht: http://www.prozesse-mittelstand.digital/images/PDF/Broschuere_Digitale_Wartung_und_Instandhaltung.pdf

Zukunft der Ausbildung

Die rund 30 Teilnehmer aus den Branchen Steuerberatung, Rechtsanwälte, Feinoptiker, Elektrotechnik, Industrie, VR/AR-Anbieter, Weiterbildung, Buchhandel, Handwerk, Sondermaschinenbau, Automotive, Kommunikation, Software diskutierten zu Abschluss, welche Auswirkungen VR- und AR-Anwendungen auf die künftige Ausbildung haben könnte.

Folgende Technologien konnten die Teilnehmer ausprobieren:

1. Nils und Sven Arnold, Gründer der Adtance GmbH & Co. KG mit Sitz in Wald-Michelbach im Odenwald stellten Augmentend Reality-Support-Lösungen mit Smartphones, Smartglasses und  Augmented Reality-Brillen vor.

2. Die Inhaber Philip Hausmeier und Carl White von „Meshicon“ aus Berlin stellten Anwendungen mit der HoloLens von Microsoft vor.

3. Der Leipziger PC-Hersteller Schenker Technologies GmbH stellte ein VR-Kundenprojekt mit der Datenbrille für die Automobilindustrie vor.

Die Initiatoren

„Industrie, Handel und Verwaltung stehen in Zukunft vor einer tief greifenden Transformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auch im Mittelstand greift der Wandel und es werden bereits vielfältige Anwendungen mit VR- und AR-Technologien produziert,“ sagt VR Business Club Gründerin Maren Courage.

Zusammen mit Oliver Autumn hat sie das Netzwerk gegründet. Warum? „Noch befinden sich die Technologien der Virtuellen Realität (VR) und der erweiterten Realität (AR) in Deutschland in den Anfängen, allerdings nimmt das Thema in der deutschen Wirtschaft immer mehr an Fahrt auf“ sagt Oliver Autumn.

VR- und AR-Potenzial ermittelt und dargestellt von Goldman Sachs Research:

Den methodischen Werkzeugkoffer aufgefüllt

Die Wirtschaftsförderung wir4 für Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg und das Interreg VA-Projekt des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung haben die Methodenschulung der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation genutzt.

Der digitale Wandel fordert, darüber nachzudenken, wie man Bekanntes in die digitale Welt transportieren und transformieren kann. Das klappt nicht besonders gut mit „alten“ Methoden und Denkmustern. Wie neue funktionieren, zeigten Danny Kensa und Heinz Rohde von der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation im kostenfreien Workshop „Innovationen fördern und begleiten“ mit den regionalen Akteuren in Moers.

Die Frage, die sich Fachberater und Multiplikatoren aus Wirtschaftsförderungen, Industrie- und Handelskammern oder Branchenverbänden stellen lautet:

„Wie können wir unsere kleinen und mittleren Mitgliedsunternehmen unterstützen, sich aktiv mit dem digitalen Wandel auseinanderzusetzen und die Herausforderungen anzunehmen?“

„Ein wertvolles Handwerkzeug für die Beantwortung der Frage sind praxisorientierte Wissenstransferformate“, sagt Methoden-Experte Danny Kensa. Diese ermögliche es Unternehmen und den Veranstaltern selbst, sich praxisbezogen und ganz konkret mit den betrieblichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen und individuelle Ideen für digitale Lösungen zu finden.

Am Vormittag erprobten die Teilnehmer unter Anleitung von Danny Kensa die Wissenstransfer-Methoden World-Café, Open Space und F**kUp sowie die Diskussionsmethode Fishbowl zur Lösung realer Probleme. Als Multiplikatoren haben sie damit das Know-how gewonnen, diese Methoden selbst in Workshops anzuleiten.

Am Mittag lernten die Teilnehmer von Heinz Rohde die Methoden „Value Proposition“ und „Business Model Canvas“ und können nun auch diese zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in Arbeitskreisen selbst einsetzen.

„Es war wirklich ein wertvoller Tag: direkte Umsetzung und praktische Anwendung. Auch das Netzwerken kam nicht zu kurz“, sagte Brigitte Jansen, Vorstand der Wirtschaftsförderung wir4, als Fazit.

Methoden

Rückblick Mittelstandscamp Kommunikation 2017: Social Media und Messenger auf dem Vormarsch in kleinen und mittleren Unternehmen

Auf dem Mittelstandscamp Kommunikation am 23. Juni 2017 diskutierten Kommunikationsverantwortliche aus Unternehmen und Agenturen über Herausforderungen der Digitalisierung mit Fokus auf Kommunikation, den Einsatz von Tools und Wege für kleine und mittlere Unternehmen im Internet und Social Web sichtbar zu werden. Die wichtigsten Aspekte der Diskussion, Links und weiterführende Informationen fassen wir im Artikel zusammen.

digital_real: „Auf ein Digitalisierungsprojekt folgt meistens das nächste“

Was passiert im Unternehmen, wenn man den Schritt in Richtung Digitalisierung unternimmt? Was bedeutet das für Mitarbeiter und Kunden? Mehr als 70 Teilnehmer haben sich am 13. Juli 2017 beim A³-Wirtschaftsdialog „digital_real“ bei der Wipfler Fenster + Fassaden GmbH im bayrisch-schwäbischen Zusmarshausen-Wörleschwang getroffen, um aus erster Hand zu erfahren, wie kleine und mittlere Unternehmen ihre ersten Erfahrungen mit der Digitalisierung gemacht haben.

In Kooperation mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Wirtschaftsraums A³ hat die Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation gefragt: „Welche Chancen und Möglichkeiten bietet die Digitalisierung für den Mittelstand?“ Prof. Dr. Thomas Thiessen, Konsortialleiter der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation, verfolgte als Moderator einen roten Faden: Was treibt Unternehmer an, die sich mit Digitalisierung beschäftigen? Was begünstigt den Antrieb, was können Stolpersteine sein?

Zwei Unternehmen stellten ihre Geschichte vor und waren sich einig: Beginnt man ein Digitalisierungsprojekt, folgt schon bald das nächste!

1. Digitalisierung macht größere Auftragsvolumina möglich: Der Gastgeber der Veranstaltung Armin Nuffer, Geschäftsführer der Wipfler Fenster + Fassaden GmbH, berichtete: „Wir sind noch lange nicht fertig, wir stecken mittendrin im Prozess der Digitalisierung.“ Lesen Sie den Digitalisierungsbericht des Handwerksunternehmens hier: http://kommunikation-mittelstand.digital/ein-fensterhersteller-in-der-digitalen-transformation/

2. Digitalisierte Kundenkommunikation: Catrin Graf hat den Kundenservice ihres Unternehmens Graf-Dichtungen GmbH mit Sitz in München und zwei Filialen in Berlin mittels digitaler Kommunikation verändert. Die digitale Transformation der internen und externen Kommunikation ist in vollem Gange, bereits die erste Maßnahme brachte einen großen Erfolg: „Im Jahr 2005, als ich den Online-Shop eingeführt habe, steigerte sich unser Umsatz um 35 Prozent“, berichtet Graf. Lesen Sie das Praxisbeispiel des Herstellers und Händlers von Dichtungen hier: http://kommunikation-mittelstand.digital/graf-dichtungen-gmbh-ein-kleines-unternehmen-digitalisiert-die-interne-und-externe-kommunikation/

Neben den Praxisbeispielen konnten sich die Teilnehmer bei Experten informieren: Georg Höllthaler http://kompetenzzentrum-augsburg-digital.de/kontakt/ vom neu gegründeten „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Augsburg“ zeigte, wie das Projekt kleine und mittelständische Unternehmen aller Branchen beim Einstieg in die Digitalisierung unterstützend und kostenfrei informiert. Das Kompetenzzentrum ist – ebenso wie die Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation – Teil der BMWi-Initiative „Mittelstand digital“ https://www.mittelstand-digital.de/ .

  1. Augmented Reality: Die Kommunikationsagentur Elfgenpick mit Sitz in Augsburg zeigte vor Ort die Möglichkeiten von Erweiterter Realität (AR). Beispiel: Eine Imagebroschüre beinhaltet auch virtuelle Inhalte, die nach dem Scan mit dem Tabletcomputer erscheinen https://www.elfgenpick.de/de/werbeagentur-augsburg/wenn-buecher-laufen-lernen-augmented-reality-fuer-kontron-imagebroschuere . Bei der Wartung von Maschinen können AR plus Datenbrille eingesetzt werden: https://www.elfgenpick.de/de/werbeagentur-augsburg/augmented-reality-applikation-im-bereich-installing-assembling-oder-repairing

Rolle der Wirtschaftsförderung:

Im Wirtschaftsraum Augsburg gibt es viele Angebote für Unternehmen: „Wir helfen gerne dabei, einen Überblick zu verschaffen und den richtigen Anknüpfungspunkten oder Beratung für Sie zu finden“, sagte Andreas Thiel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Regio Augsburg Wirtschaft GmbH.

Fazit von Moderator Thomas Thiessen:

Die Veranstaltung hat mir persönlich nochmal deutlich gemacht, dass die Digitalisierung in kleinen Schritten und in Kernprozessen initiiert werden kann, um dann nach und nach eine operative Dynamik zu entwickeln, ohne jemals „fertig“ zu sein.

Diese Dynamik zeigt sich bei der Wipfler Fenster + Fassaden GmbH in beindruckender und zugleich beruhigender Weise. Fertige Patentlösungen gibt es nicht. Es gibt nur individuelle Anforderungen an die Digitalisierung, jeweils höchst differenziert nach Branche und Unternehmen.

Die Kommunikationsagentur Elfgenpick beispielsweise nutzt die Chancen der Digitalisierung für sich als Transformationsprozess hin zu einem Kreativdienstleister mit Virtual/ Augemented Reality-Kompetenz. Elfgenpick erschließt sich damit neue Märkte, die sich so für andere Branchen nicht anbieten. Dort gibt es jeweils andere Potenziale.

Allerdings gibt es eine Art „Roten Faden“, ein grundsätzliches Vorgehensmodell, an dem sich ein mittelständisches Unternehmen unter seinen Bedingungen orientieren kann.

 

Und alle Unternehmen verbindet zusätzlich, dass es ohne Partizipation nicht geht. Mir ist gerade am Beispiel der Graf-Dichtungen GmbH erneut deutlich geworden, dass die strukturierte Einbindung der Führungskräfte, Mitarbeiter Kunden und Lieferanten in den Digitalisierungsprozess ein entscheidender Faktor für das Gelingen ist.

Die Unternehmenskulturen ändern sich. Das ist Fakt. Kommunikation, Qualifizierung, Transparenz, ein gemeinsames Zielbild: alles das hilft dabei, Motivation und Akzeptanz zu schaffen.

Die wertvollen Beiträge aus dem Publikum zeigen, dass es sich absolut lohnt, in den Digitalisierungsdialog zu treten, sich zu vernetzen, sich gegenseitig zu inspirieren und inspirieren zu lassen.

Worldmap

Mittelstand vernetzt sich auf Digitalisierungskonferenz

Maschinen, Produkte und Logistik werden miteinander vernetzt, um selbstorganisierte Fertigungsprozesse zu etablieren. Dieses Ziel strebt Deutschland unter dem Begriff „Industrie 4.0“ an. Ganz ähnliche Entwicklungen laufen in China unter dem Begriff „Made in China 2025“. Im Verlauf der Konferenz stellten Experten unter anderem Konzepte des Internet of Things (IoT) oder Modelle der Smart Factory vor.

Um Unternehmen in China und Deutschland miteinander zu vernetzen und den internationa­len Erfahrungsaustausch unter mittelständischen Unternehmen zu fördern, veranstal­teten die Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg (WFBB) und die Industrie- und Handels­kammer Potsdam am 27. April 2017 in Potsdam gemeinsam mit chinesischen Transferpartnern die ganztägige „Chinesisch-Deutsche Konferenz zu Digitalisierung und Industrie 4.0“. Circa 350 Unternehmer aus China und Deutschland nahmen teil. Die Konferenz­sprache war deutsch. Die Vorträge wurden von Dolmetschern übersetzt.

Die Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation beteiligte sich an der Konzeption und Umsetz­ung dieser Konferenz, um kleine und mittlere Unternehmen dabei zu unterstützen, sich inter­national und auch untereinander zu vernetzen. Mitglieder der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation waren vor Ort und standen Multiplikatoren und Unternehmern für Fragen und Diskussionen rund um die digitale Transfor­mation des Mittelstandes zur Verfügung. Dabei wur­den auch Hinweise gegeben, an wen sich die Unternehmen zur Planung und Umsetzung der Digitalisierung wenden können.

Im Verlauf der Konferenz stellten Experten unter anderem Konzepte des Internet of Things (IoT) oder Modelle der Smart Factory vor. Einige Experten kamen aus dem Umfeld der BMWi-Initiative „Mittelstand-Digital“. Professor Key Pousttchi beispielsweise, Inhaber des SAP-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung an der Uni­versität Potsdam, machte in seinem Vortrag “Industrie 4.0 – Digitale Transfor­mation“ die Dimensio­nen der Digitalisierung auch für mittelständische Unternehmen deutlich. Professor Ulrich Berger vom Lehrstuhl Automatisie­rungs­technik an der Tech­nischen Universität Cott­bus-Senftenberg brachte den Teilnehmern in seinem Vortrag „Automatisierung und Digi­ta­lisierung: Chancen für den Mittelstand“ die Perspektiven der Digitalisierung näher. Aber auch viele Referenten aus der Praxis brachten ihre Anwendungserfahrungen ein.

Zusätzlich zu den Fachvorträgen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, in sechs Workshops Innovationsthemen wie zum Beispiel Virtual Reality, Informationssicherheit, intelligente Mobilität oder Geo-Informationstechnik zu diskutieren.

Zentraler Bestandteil der Konferenz war das sogenannte „Match Making“. In individuellen Gesprächen unter vier Augen und begleitet von Dolmetschern konnten sich die Unternehmer miteinander vernetzen, Projekte, Produkte und ihr Know-how vorstellen, potenzielle Geschäftspartner in Einzelgesprächen kennenlernen und grenzüberschreitende Kontakte und Kooperationen anbahnen. Etwa 250 Unternehmer machten von dieser Vernetzungsmöglichkeit Gebrauch.

Befragung für Studie

Im Verlauf der Konferenz wurden deutsche Mittelständler von der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Die Ergebnisse dieser ersten Stich­probe von rund 40 Teilnehmern zeigen , dass das Interesse an internationaler Ver­netzung im Kontext der Digitalisierung groß ist. Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben an, dass sie darüber nachdenken, mit einem auslän­di­schen Unternehmen zu kooperieren oder haben dies bereits konkret vor. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Orientierungsbedarf groß ist und viele Unternehmer nicht wissen, wie sie die entsprechenden Kanäle für sich erschließen sollen.

Die Themen „Auswahl und Implementierung neuer Technologien“ sowie „Qualifikation der Mitarbeiter“ stehen bei den Befragten an erster Stelle, wenn es um Herausforderungen im Hinblick auf Digitalisierungsmaßnahmen geht. Nach konkreten Wünschen befragt, stehen Best Practice-Beispiele bei den mittelständischen Unterneh­mern nach wie vor hoch im Kurs.

Dieses erste Stimmungsbild wird durch eine nachbereitende Evaluation der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation auf der Basis einer Online-Befragung präzisiert. Zugang zum Fragebogen finden Interessenten unter folgendem Link:

https://de.surveymonkey.com/r/RNQWBDK

Ziel der Umfrage ist es, die Bedarfe des regionalen Mittelstands in Richtung Digitalisierung und Internationalisierung sehr konkret zu fassen, also im Detail der Wünsche und Anforderungen.

Auf Basis dieser Ergebnisse ist ein ausführlicher Evaluationsbericht geplant, der im Sommer 2017 unter anderem auf der Webseite der Mittelstand 4.0 Agentur Kommunikation veröffentlicht wird. Die Evaluationsergebnisse werden den Akteuren der Förderinitiative Mittelstand-Digital und anderen Multiplikatoren zur Verfügung gestellt, die planen, mittelständische Unternehmen bei der internationalen Vernetzung und der Digitalisierung zu unterstützen.

digital_real in Trebur

Fische, Handschuhe und Apps

Vier Vorträge – vier Perspektiven aus Industrie 4.0, das lieferte die lebendige Praxiskonferenz digital_real beim Fischmaster im südhessischen Trebur. Hier das Wichtigste in Kürze.

Den Auftakt zur Konferenz gestaltete Eric Nürnberger, Geschäftsführer des gastgebenden Unternehmens Fischmaster GmbH. Für ihn ist „Digitalisierung nie abgeschlossen, sondern ein ständiger Prozess“.  Eric Nürnberger, hat in nur wenigen Jahren eine volldigitalisierte Indoor-Fischzucht geschaffen und ist einer von vier Referenten der Veranstaltung. Er plädiert dafür, die Chancen zu sehen, die die Digitalisierung bietet: „Damit kann man coole neuen Dinge machen, die sonst noch keiner macht!“ Er rät Unternehmen, sich Klarheit darüber zu verschaffen und konkrete Ziele zu setzen, bevor sie ihren Transformationsprozess beginnen, um ihre Prozesse zu digitalisieren. Nürnberger hat zunächst damit begonnen, Sensoren an risikobehafteten Stellen seiner sensiblen Fischzucht einzusetzen und hat inzwischen mehr als 1.000 Sensoren an und in die Fischbecken montiert. Weitere Informationen

Im zweiten Vortrag berichtete Mattias Finzelberg, Geschäftsführer der Rex Gummitechniken GmbH & Co. KG mit Sitz in Pfungstadt, von der Digitalisierung seines Betriebs. Er hatte den Herstellungsbetrieb für Chemikalienschutzhandschuhe noch komplett analog gekauft und ihn innerhalb kürzester Zeit, auch unter Einführung eines ERP-Systems, digitalisiert. „Kennen Sie Ihre Kennzahlen. Und analysieren Sie deren Wechselwirkung!“, forderte der Unternehmer seine Mitstreiter und Kollegen im Publikum auf. Er vertritt die Meinung, dass Betriebe die Digitalisierung „mit genug Leidenschaft und Engagement auch ohne externe Berater schaffen“. Sicherlich kommen Finzelberg seine 25 Jahre Erfahrung als Unternehmensberater im Maschinenbau zugute, währenddessen er schon viele Firmen in der Digitalisierung begleitet hat.

Praxisbeispiel „Wie digitalisiert man ein analoges Unternemen?“ herunterladen

Vier Unternehmer-Typen im Zeitalter der Digitalisierung

Im Anschluss an die Praxisbeispiele stellte Prof. Dr. Rainer Zeichhardt von der BSP Business School Berlin vier Unternehmer-Typen im Zeitalter der Digitalisierung vor, die in einer Studie klassifiziert werden konnten:

  1. Der Surfer bewegt sich voll und ganz auf der Digitalisierungswelle. „Manche tauchen gar in sie ein“, so Zeichhardt.
  2. Der Taucher ist grundsätzlich an der Digitalisierung interessiert und setzt sich mit den 4.0-Themen auseinander.
  3. Der Inselbewohner romantisiert das Analoge und versucht der Digitalisierung zu entfliehen. „Digitalisierung ist nicht nur Technik, sondern auch Führung und Kommunikation“, sagte Zeichhardt, der mit der Einordnung amüsant den Zeigefinger erhob.
  4. Die Mitgerissenen machen zwar mit, aber eher halbherzig, weil sie sich nicht so wohl dabei fühlen und klammern sich an den Rettungsring.

Beendet hat die Konferenz Nico Sonnenberg, Vertreter und Account Manager von der Bright Solutions GmbH mit Sitz in Darmstadt, mit seinem Vortrag. Im Austausch mit dem Moderator, Prof. Dr. Thomas Thiessen von der Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation, sprach Sonnenberg über die Entwicklung innovativer Apps in Zusammenarbeit mit seinen Kunden. Hierbei stellte er den Teilnehmern der Konferenz MyFoam vor: Mit der Webanwendung und App können Schaumstoffeinlagen für Werkzeuge in Werkzeugkoffern der Losgröße 1 nach Fotos oder Scans hergestellt werden. Ein Unternehmen für Lichtwerbung im Außenbereich verdeutlicht in einem 3D-Konfigurator inklusive Augmented Reality zusammen mit Bright Solutions, wie die geplante Werbung an dem vorhandenen Gebäude aussehen wird.

Fazit: Digitalisierung ist realisierbar, sie erfordert Klarheit und konkrete Zielsetzungen

Digitalisierung ist für alle Unternehmen auch mit kleinerem Budget realisierbar und eignet sich gerade in der Anfangsphase für kleinere Projekte. Voraussetzung ist, dass sich der Inhaber oder Geschäftsführer mit dem Thema auseinandersetzt und die Abläufe und Kennzahlen in seinem Betrieb gut kennt. Diese Voraussetzungen ermöglichen, digitale Vorgänge gezielt und an den richtigen Schnittstellen im Unternehmen einzusetzen. Es empfiehlt sich, zunächst Prozesse zu digitalisieren, die das Unternehmen im analogen Zustand viel Geld kosten. Wichtig ist zu beachten, dass sich Digitalisierung nicht auf die Technik beschränkt, sondern viel mit Führung und Kommunikation zu tun hat. Deshalb müssen von Anfang an die Mitarbeiter*innen einbezogen werden.

Hintergrund

Rund 60 Teilnehmer aus kleinen und mittleren Unternehmen nahmen am 9. Februar 2017 an der Konferenz digital_real teil und informierten sich zu aktuellen 4.0-Themen und Best-Practise-Beispielen aus der Wirtschaft. Gastgeber war das mittelständische Unternehmen Fischmaster GmbH mit Sitz im südhessischen Trebur. Gemeinsam mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt, organisierte die Mittelstand 4.0-Agentur Kommunikation die Konferenz, um Vertretern aus kleinen und mittleren Unternehmen praxisorientierte Informationen an die Hand zu geben und Unterstützungsangebote der Förderinitiative aufzuzeigen.

Angebotskarte „Praxiskonferenz digital_real“ herunterladen

World Café

Bedarfsanalyse-Workshop als World-Café

Rund 50 UnternehmerInnen nahmen an einem etwas anderen Workshop teil. Eingebettet in Kurzvorträge und Praxisberichte tauschten sie sich in einem sogenannten „World-Café“ aus.

Ein World-Café bietet den Gästen einen Rahmen, um themenbezogen in den intensiven Diskurs in kleinen Gruppen einzutreten sowie unterschiedliche Meinungen, Ideen und Impulse miteinander zu verknüpfen. Anhand vorbereiteter Leitfragen wurden so individuelle Unterstützungsbedarfe zum Thema Industrie 4.0 und Erwartungshaltungen an das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 „Mit uns digital“ erarbeitet.

3 Fragen – drei Phasen

Die drei vorbereiteten Fragen

  1.  „Für mich ist / bedeutet Digitalisierung …“,
  2. „Vom Kompetenzzentrum erwarte ich mir …“
  3. „Ich benötige Unterstützung bei …“

wurden an drei Tischen durch drei zufällig zusammengesetzte Arbeitsgruppen diskutiert. Jeder Teilnehmer schrieb seine individuellen Gedanken auf ein gemeinsames Arbeitspapier. Sehr schnell entwickelten sich hieraus intensive Gespräche und weitere Ideen innerhalb der Gruppe.

Nach jeweils 15 Minuten wurde die Gruppenarbeit beendet, und die Teilnehmer fanden sich in neuen zufälligen Kleingruppen an den anderen Tischen ein – hier konnten die bisher erarbeiteten Ergebnisse der Vorgruppe entweder weiter verfeinert oder um gänzlich neue Aspekte und Impulse ergänzt werden.

Nach den drei Gruppenphasen fand sich auf allen Arbeitspapieren eine Vielzahl von Ergebnissen wieder, die sehr eindrucksvoll die Komplexität als auch Individualität des Megatrends Digitalisierung für KMU belegen. Zur besseren Übersichtlichkeit wurden abschließend, gemeinsam mit den Teilnehmern, die Kerngedanken aus den Gruppenarbeiten abgeleitet.

Die Ergebnisse im Überblick:

(1) Kerngedanken „Für mich ist / bedeutet Digitalisierung …“

Digitalisierung ist für KMU grundsätzlich sehr ambivalent besetzt – bewegen sich permanent im Spannungsfeld zwischen Chancen (neue Geschäftsmodelle, höhere Prozess-Geschwindigkeit und Effizienzsteigerung) und schwer abschätzbaren Risiken (Verantwortung für Daten, Kontrollverlust und sich wandelnde Arbeits- und Kommunikationskultur).

(2) Kerngedanken „Vom Kompetenzzentrum erwarte ich mir …“

KMU erwarten praxistaugliche Anschauungsbeispiele und konkrete Rahmenbedingungen (Standards, Richtlinien, Methoden), idealerweise basierend auf konkreten Erfahrungen anderer Unternehmen. Große Bedeutung wird der modernen Aus- und Weiterbildung zur Vorbereitung und Mitnahme der Fach-, Führungs- und Nachwuchskräfte beigemessen.

(3) Kerngedanken „Ich benötige Unterstützung bei …“

Die Bewertung der vorhandenen Infrastruktur sowie des Kompetenzgefüges der Belegschaft fällt KMU nicht leicht – bei der Ideenfindung für neue Geschäftsmodelle und die individuelle strategische Zielsetzung wird Unterstützung benötigt.

Fazit

Mittels des World-Cafés konnten deutlich detailliertere und konkretere Ergebnisse erarbeitet werden als bei herkömmlichen Diskussionsrunden. Für die Teilnehmer wurden Herausforderungen leichter verständlich und annehmbar, während sich für das Kompetenzzentrum die von der Zielgruppe konkret formulierten Informations- und Unterstützungsbedarfe ableiten lassen.

Ausblick

Unternehmen könnten die Methode „World-Café“ gezielt einsetzen, um etwa im Mitarbeiterkreis neue Ideen für neue Geschäftsmodelle und Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens zu erarbeiten – vielleicht sind die „richtigen Typen“ dafür ja bereits an Bord?

Wenn Sie Fragen zum World-Café oder anderen zeitgemäßen Methoden der Offline-Kommunikation haben, wenden Sie sich bitte direkt an unseren Ansprechpartner Danny Kensa.

Praxisbeispiel: „Dokumentation World Café“ herunterladen

Angebotskarte „Word-Café“ herunterladen